VON DER VIELFALT PROFITIEREN ALLE
Wir, die Klasse P10g des Claraschulhauses aus Basel, sind Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 17 Jahren. Viele von uns haben Wurzeln aus verschiedenen Teilen der Welt. Nach dem Schuljahr beginnen einige von uns eine Lehre oder ein Praktikum, andere besuchen eine weiterführende Schule. Wir haben den Auftrag erhalten, uns Gedanken darüber zu machen, wie die Schweiz von Migrantinnen und Migranten profitiert. Hier unsere ganz persönlichen Gedanken dazu. Von Migranten lernen Von der Vielfalt der Kulturen
in der Schweiz profitieren alle. Uns ist aufgefallen,
dass Migrantinnen und Migranten nicht nur viel von den Schweizern lernen, sondern auch die Schweizer
von ihnen. Die Vielfalt der Kulturen wurde durch Migranten in die Schweiz gebracht, wovon wir sicher
viel profitieren können. Das halten wir für einen grossen Vorteil. Zum Beispiel kann man durch fremdsprachige
Lehrer in der Schweiz sicherlich besser deren Muttersprache lernen. Auch durch Freunde, welche Migranten
sind, lernen wir viele verschiedene Kulturen und Religionen kennen. Zum Beispiel haben wir in der Schule
durch eine Klassenkameradin im Sportunterricht den türkischen Tanz «Kolbasti» kennen gelernt. Diese
Sportstunde hat allen sehr viel Spass und Freude gebracht. Auch andere Religionen und ihre verschiedenen
Bräuche lernen wir durch Mitschüler kennen. So durften zum Beispiel viele der Migranten im Kochunterricht
mit der Klasse kein Schweinefleisch essen oder auch gar nichts, weil sie am Fasten waren. Wir sind dankbar
dafür, verschiedene Kulturen kennen lernen zu dürfen. Die Möglichkeit, von Migrantinnen und Migranten
zu lernen, wird in der Schweiz unserer Meinung nach sehr unterschätzt. (Neele,
Elena, Veronica, Jessica) Gleiche
Ausbildungschancen für alle Interview zum Thema
Migration mit Herrn Ahmet Yalin, türkischer Lehrer an der WBS Basel. Wieso
sind Sie in die Schweiz gekommen? Ich bin hier
geboren. Später waren wir wieder in der Türkei, bis ich die 3. Primarklasse absolviert hatte. 1992 kam
ich zurück in die Schweiz, weil meine Eltern für mich eine bessere Ausbildung wollten. Finden
Sie, dass Ausländer den Schweizern Arbeit wegnehmen? Wenn
man keine gute Ausbildung hat, ist es schwer, den Schweizern Arbeitsplätze wegzunehmen. Alle haben gleiche
Ausbildungschancen und das muss man nutzen. Was
sind die Vorteile und Nachteile eines türkischen Lehrers Für
mich gibt es vor allem Vorteile. Weil die meisten Schüler an meiner Schule selbst ausländischer Herkunft
sind, kann man sich mit mir besser identifizieren. Das hilft auch den türkischsprechenden Eltern, die
nicht so gut deutsch können. Natürlich gibt es auch negative Seiten, aber die vergisst man schnell. Wie
sieht es in der WBS mit den Ausländern und ihrem Verhalten aus? Ich
finde, da gibt es nicht so grosse Unterschiede. Es kann schon sein, dass sich die ausländischen Schüler/innen
schlecht verhalten, weil sie das Gefühl haben, in der Schule benachteiligt zu werden. Von dem Verhalten
her sind alle Schüler gleich. Was sollten
Ausländerinnen und Ausländer tun, damit die Kinder in der Schule besser sind? Ausländische
Eltern sollten das Schulsystem besser kennen, damit sie ihre Kinder gezielter unterstützen können. Zudem
muss jedes Kind seine Muttersprache gut können, um eine zweite Sprache zu lernen. Wollten Sie
schon Ihren Beruf wechseln? Meinen Beruf wollte
ich sicherlich nicht wechseln, weil ich mich wohl fühle. Ich wollte von Anfang an Lehrer werden. Ich habe gerne mit den ausländischen Schülern
Kontakt, weil ich ihnen helfen und auch als Vorbild dienen möchte. Was
wollen Sie noch sagen? Toll, dass ausländische
Schüler über die Integration in der Schweiz nachdenken. Ihr werdet diejenigen sein, die ein neues Bild
von uns Ausländern zeigen. (Remziye, Eren, Isa, Milana,
Ermina, Gezim) Ohne
geht`s nicht! Wenn die ausländischen Arbeitskräfte
nicht wären, könnte man die riesige Wirtschaftsmaschine in Basel nicht in Gang halten. In
letzter Zeit wird in den Medien eine regelrechte Angst vor Ausländern geschürt, die den Schweizern die
Arbeitsplätze wegnehmen. Dabei ist diese Angst unberechtigt, denn genau diese Arbeitskräfte werden dringend
benötigt. So gibt es in BS über 150`000 Arbeitsplätze und die 190`000 Einwohner reichen dafür bei weitem
nicht aus. Am dringendsten werden im Gesund-heitswesen die ausländischen Arbeitskräfte benötigt. Ohne
die vielen Grenzgänger und die hier wohnenden Ausländer könnten die vielseitigen und teils hoch spezialisierten
Dienstleistungen im Gesundheitssystem nicht erbracht werden (Quelle: Personenfrei-zügigkeitserklärung
der Basler Regierung). Es stimmt, dass es viele ausländische Arbeitskräfte gibt, doch was wäre ohne
sie? Könnte unsere Wirtschaft so bestehen, wie sie jetzt ist? Wohl eher nicht, denn es gäbe dadurch
nicht nur einen grossen Mangel an Personal im Gesundheitswesen, sondern auch im Schulsystem und auch
in der Pharmaindustrie und vielen weiteren Teilen der Wirtschaft. Bereits ca. 15% der in BS und BL erwerbstätigen
Personen sind Grenzgänger. Das System würde ohne sie nicht funktionieren, daher sollten wir froh darüber
sein, dass diese Leute hier sind. (Yannick, Michael,
Mirco, Christian) Wo
ein Wille ist, ist auch ein Weg Integration von
jugendlichen Migranten in der Schule und ihre Probleme mit Zukunftsentscheidungen. Wir
finden, dass es jugendlichen Migranten schwer fällt, sich im Basler Schulsystem zu integrieren. Mit
dem Eintritt in die 1.OS werden zukunftsreiche Entscheidungen getroffen. Migranten, die meistens gutes
Potenzial mit sich bringen, sind durch die Sprachprobleme benachteiligt. Wenn sie nun wegen dieser Probleme
schlechte Noten schreiben, haben sie weniger Chancen auf einen guten Beruf. Wäre das Basler Schulsystem
passender für ausländische Jugendliche mit Sprachschwierigkeiten, bedeutete dies eine große Hilfe für
Migranten. Es gibt bereits Klassen, wie zum Beispiel die «Log-In»-Klasse in der Schule für Brückenangebote
(SBA), die speziell für Jugendliche gebildet wurde, die neu in die Schweiz gekommen sind und Hilfe bei
der Integration brauchen. Deswegen finden wir, dass es sehr vorteilhaft wäre, wenn es in jeder Schulstufe
von der Primarschule bis zu der WBS solche Integrationsklassen geben würde. Auch sollte es Bildungszentren
nach den obligato rischen Schuljahren geben, die freiwillig besucht werden können und
die einem noch die letzten kleinen Hilfen für die bevorstehende Zukunft mitgeben. Manche haben Selbstzweifel,
ob sie es schaffen, hier Arbeit zu finden und Fuss zu fassen. Auch im Alltag sowie in der Schule gibt
es oft beleidigende Sprüche von anderen Mitmenschen und es ist nicht einfach, damit umzugehen. Aber
wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. (Lisa, Marina,
Nicole, Zelal, Sirin) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||

























