«Tschinke, die stinke wie mi linke Finke nach fuulem Schinke.»




Wir sind die Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule Gesundheit Baselland in Münchenstein und bereiten uns auf die Ausbildung zu Pflegeassistentinnen und -assistenten vor. Neben der Schule sammeln wir Erfahrungen in Praktikumsbetrieben. Wir sind zwischen 15 und 17 Jahre alt und die meisten von uns haben selber einen Migrationshintergrund. Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere Erfahrungen mit dem Thema «Ausländer am Arbeitsplatz» zu kommentieren.


Ausländer in meinem Betrieb

In meinem Betrieb gibt es ein paar Ausländer. Ich habe keine Probleme mit ihnen, weil ich sie respektiere und nett zu ihnen bin. Manchmal nervt es mich aber, wenn sie in ihrer Sprache sprechen. Es nervt mich, dass ich Sie dann nicht verstehen kann, weil ich gerne wissen möchte, ob sie über mich reden.
Sie reden aber auch von ihrer Heimat und das finde ich toll. So höre ich Dinge aus anderen Kulturen, die mich interessieren. Manchmal fragen mich Ausländer etwas über die Schweiz, weil Sie auch etwas von uns wissen wollen. Dabei erkundigen sie sich meist über Traditionelles. Manchmal frage ich jene, die nicht in der Schweiz geboren sind, nach Traditionen aus ihrer Heimat. Bei mir im Betrieb gibt es 3-4 Diplomierte, die nicht aus der Schweiz kommen. Manchmal finde ich es schwierig, sie zu verstehen, weil sie nicht so gut Deutsch sprechen. Dann frage ich aber einfach nach, und sie wiederholen nochmals, was sie gesagt haben. Das ist meistens kein Problem. Meine Gruppenleiterin ist eine Deutsche, aber auch damit habe ich kein Problem.
Melanie B.


Positive und negative Erfahrungen

Nicht auf die Herkunft kommt es an, sondern das Innere des Menschen zählt.

Wir beide machen eine Ausbildung in Altersheimen und haben positive sowie negative Erfahrungen mit Ausländern in der Arbeitswelt gemacht. Es gibt Bewohner, die es nicht akzeptieren, von Ausländern gepflegt und betreut zu werden. Sie reagieren auf Ausländer sehr frech, da sie es von früher nicht gewohnt sind und vielleicht auch schlechte Erfahrungen mit Ausländern gemacht haben. Sie sagen Dinge wie: «Fass mich nicht mit deinen schwarzen, dreckigen Händen an.» Zu den positiven Erfahrungen gehören, dass die Bewohner Interesse an fremden Kulturen zeigen oder es auch schätzen, wenn sie in ihrer Muttersprache angesprochen werden und sie sich so unterhalten können.
In meinem (Melanies) Betrieb haben wir zum Beispiel eine Diplomierte, die aus Russland stammt und mit einem russischen Akzent spricht. Wenn sie zu einer Bewohnerin geht und mit ihr redet, wird sie immer fertig gemacht. Sie sagt, man würde sie nicht gut verstehen und sie wolle keine Krankenschwester, die einen Akzent habe. Dass man sie nur wegen ihrem Akzent so behandelt, finde ich nicht so toll.
Vanessa und Melanie


Schweizer / Deutsche

An einem Montagmorgen kamen alle Pflegerinnen und Pfleger ins Personalräumchen und gönnten sich eine Kaffeepause. Ich bereitete Kaffe vor und fragte anschliessend jeden und jede, ob er/sie einen Schluck wolle. Alle waren zufrieden und bedankten sich, ausser eine. Als ich sie fragte, ob sie Kaffe wolle, beschimpfte Sie mich und sagte, sie verstehe kein Wort. Sie sagte, ich solle hochdeutsch mit ihr sprechen. Also wiederholte ich meine Frage auf Hochdeutsch. Daraufhin sagte sie «Ja gerne» und hielt die Tasse hoch. Seither muss ich mit ihr immer hochdeutsch reden, ansonsten ist Sie sauer oder deprimiert.
Sonja


«Das schwarze Schaf ist wieder da.»

Wir sind Auszubildende in einem Altersheim. Bei uns arbeitet eine Frau, die aus Indien stammt. Vom Charakter her ist sie sehr nett und im Pflegeteam ist sie äusserst beliebt. Die Heimbewohner beleidigen sie jedoch sehr oft. Wenn sie sie sehen, sagen Sie zum Beispiel: «Das schwarze Schaf ist wieder da» oder «Muss ich die jeden Morgen sehen und hören?!»
Sie hat sich zwar langsam daran gewöhnt, aber wir auf der Station können es nicht verstehen, dass unsere Kollegin so runtergemacht wird. Aber nicht alle Bewohner sind so rassistisch. Wir bekommen auch Komplimente, wie zum Beispiel «Sie sehen zwar wie eine Ausländerin aus, von den Deutschkenntnissen her könnte man aber meinen, Sie seien Schweizerin.»
Elif und Serpil


Wenn Ausländer undeutlich sprechen

In meinem Betrieb gibt es ausländische, diplomierte Krankenschwestern. Ich finde alle lieb und respektiere sie auch im Team. Doch wenn sie Aufgaben verteilen, werden sie undeutlich und kompliziert. Wenn ich dann frage, was Sie gesagt haben, werden sie wütend. Ich erledige eine Aufgabe, doch wenn ich einen Fehler mache, ist die Hölle los. Das ist der Nachteil, wenn Ausländer undeutlich sprechen.
Sonja


In der Kaffeepause

Um 14.00 Uhr ist in unserem Betrieb Coffeetime. Da kommen fast alle Bewohner zusammen und trinken ihren Kaffee oder ihren Orangensaft. Unsere Bewohner kommen aus verschiedenen Ländern, daher gibt es auch ein paar, die eine dunklere Haut haben als die anderen. Wenn Sie den Aufenthaltsraum betreten, kommen von den anderen Bewohnern dann Sprüche wie «Ausländer, sie kommen von überall her.» Ich finde das ziemlich rücksichtslos von den Bewohnern. Eigentlich sollten sie doch alt und weise sein!
Sonja


Die Leistungen der Italiener

«Tschinke, die stinke wie mi linke Finke nach fuulem Schinke.» Man beleidigt Italiener mit Tschinken, obwohl sie beim Bau der meisten Autobahnen und Tunnels mithalfen. Diese Männer aus Italien waren es, die die halbe Schweiz aufbauten. Wir denken, die Schweizer wollten sich die Hände nicht schmutzig machen.
In unseren Arbeitsbetrieben haben sie zwar nichts gegen Italiener. Trotzdem gibt es leider immer wieder Schweizer (politisch Rechte), die Italiener (und Ausländer im allgemeinen) hassen.
Fabian/Gioacchino


Keine Ausländer beim Duschen

An meinem Arbeitsplatz gibt es einen Bewohner, der von Ausländern nicht geduscht werden will. Er möchte nur von einem Schweizer oder einer Schweizerin geduscht werden. Wenn ich zu ihm gehe und sage, dass ich heute für das Duschen eingeteilt bin, dann wird er plötzlich nervös und sagt, dass er beim Duschen niemanden brauche. Aber das stimmt nicht. Er kann sich selber nicht duschen.
Ich bin einmal mit meiner Chefin zu ihm gegangen. Sie hat mit ihm abgemacht, dass ich ihm das nächste Mal beim Duschen helfe und er hat eingewilligt. Natürlich hat es beim nächsten Mal aber wieder nicht geklappt. Der Bewohner hat wiederum gesagt, dass er keinen Ausländer beim Duschen haben möchte. Danach bin ich dann nie mehr zum Duschen zu ihm gegangen.
Ümmühan