GEMEINSAM HÜRDEN ÜBERWINDEN


Dara Sadun: Vom Flüchtling zum Salonbesitzer. Foto: Meinrad Schade


Der Einstieg in die Arbeitswelt ist für Flüchtlinge besonders schwierig. Sie müssen viele Hürden überwinden, um ins Berufsleben einsteigen zu können. Schlüsselfaktoren sind: gute Sprachkenntnisse, eine Portion Hartnäckigkeit und ein tragendes Netz, das sie auf ihrem Berufsweg unterstützt.


Dara Sadun, politisch verfolgter Kurde aus Syrien, flüchtet als 21-Jähriger 2003 in die Schweiz. Die neue Heimat erweist sich anfänglich als hartes Pflaster. Dara Sadun bemüht sich intensiv um eine Lehrstelle als Coiffeur: «Ich habe über 200 Bewerbungen verfasst, ohne Erfolg.» Er lässt sich nicht entmutigen, belegt Deutsch- und Büro-fachkurse. 2004 erhält er eine Aufenthaltsbewilligung als vorläufig aufgenommener Flüchtling. Das Zentrum 5, ein Integrationszentrum für Migran-tinnen und Migranten in Bern, vermittelt ihm ein Vorstellungsgespräch bei einem lokalen Coiffeurbetrieb. Er packt die Chance und absolviert eine Vor-lehre und Lehre in seinem Wunsch-beruf. In seiner Freizeit besucht er zusätzlich Stützkurse in Deutsch und Berufskunde.

Seit 2009 führt Dara Sadun einen eigenen Salon in Bern und träumt davon, nach bestandener Meisterprüfung einmal selber Lehrlinge auszubilden. Er identifiziert drei Erfolgsfaktoren für eine gelungene Arbeitsintegration: Gute Sprachkenntnisse, eine Prise Geduld und Hartnäckigkeit sowie ein tragendes soziales Netz, das einen auf dem Berufsweg begleitet und Kontakte in die Arbeitswelt vermitteln kann.


Spezifische Beratung und Begleitung

Der Einstieg in die Berufswelt gestaltet sich für niemanden einfach. Fachkennt-nisse, Sachkompetenzen und Berufsroutine – Qualifikationen, welche die Position der Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt wesentlich verbessern – eignet man sich in der Ausbildung und vor allem mit wachsender Arbeitserfahrung an. Flüchtlinge müssen oft weitere Hürden überwinden, um einen ihren Talenten entsprechenden Beruf ausüben zu können: Sie haben vielfach traumatische Erlebnisse wie Krieg, Folter oder sexuelle Gewalt zu verarbeiten, müssen sich mit der hiesigen Arbeitswelt vertraut machen, die nötigen Sprachkenntnisse erwerben und sehen sich nicht selten mit Vorurteilen konfrontiert.

Umso wichtiger sind eine spezifische Begleitung der Flüchtlinge bei der Suche nach einem Ausbildungs-, Studiums- oder Arbeitsplatz und die Bereitschaft von Arbeitgebern, Praktikums-, Lehr- und Arbeitsstellen gezielt mit Flüchtlingen zu besetzen. Neben der Arbeit der Integrationsfachstellen ist hier der Einsatz von freiwilligen Mentorinnen und Mentoren besonders hilfreich. Das können etwa Fachkräfte im Ruhestand sein, die den Flüchtlingen dank ihrer Kenntnisse, Erfahrungen und Beziehungen wertvolle Tipps geben und die entscheidenden Türen öffnen können. Auch die Arbeitgeber profitieren von der Arbeit dieser Freiwilligen, weil deren Einsatz mit der Anstellung der Flüchtlinge nicht endet, sondern so lange weiter geht, bis die Integration in den Betrieb vollzogen ist.
Michael Fankhauser, Redaktor Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH


TAG DES FLÜCHTLINGS 2010

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH hat den nationalen Tag des Flüchtlings 1980 initiiert. Seither hat sich dieser Tag, der am 19. Juni wiederum in über 200 Städten und Gemeinden gefeiert wird, zur wichtigsten Sensibilisierungskampagne für die Rechte und Anliegen der Flüchtlinge in der Schweiz entwickelt.
Für die diesjährige Ausgabe des Flüchtlingstags konnte die SFH das Bundesamt für Migration BFM und das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR als Partner gewinnen. Die SFH rückt 2010 die berufliche Integration von jungen Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den Mittelpunkt. Ziel der Kampagne ist es, den Zugang von Flüchtlingen zu Berufsbildung und Arbeitsmarkt zu verbessern und damit deren Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Selbstständigkeit zu steigern.
Ende 2009 hielten sich laut BFM 23’543 anerkannte Flüchtlinge und 22’682 vorläufig Aufgenommene in der Schweiz auf, was insgesamt weniger als 0,6 Prozent der gesamten Wohnbevölkerung ausmacht.