RASSISMUS: EINFACH, KOMPLIZIERT




Eine  TiKK Kampagne sorgte letztes Jahr für Aufsehen.


Der Verein Taskforce interkulturelle Konflikte (TikK) setzt sich gegen fremdenfeindliche oder rassistische Diskriminierung ein. Hierzu führt der Verein eine Fach- und Beratungsstelle für die deutsche Schweiz mit einem professionellen Team..


Eine Gruppe somalischer Migranten trifft sich täglich in einem kleinen Café im Bahnhof einer grösseren Stadt, konsumiert, diskutiert lautstark. Als die Gruppe täglich grösser wird, bleiben andere Gäste dem Café fern, der Umsatz sinkt. Der Wirt entwickelt eine Vertreibungsstrategie und bittet die Polizei, vermehrt vor dem Café zu patroullieren. Demonstrativ fordert er die Somalier dann in Gegenwart der Polizei auf, das Lokal zu verlassen. Ein Mitglied der Gruppe will sich das nicht gefallen lassen. Er taxiert das Verhalten als rassistisch und will gegen Wirt und Polizei rechtlich vorgehen. Der Somalier wendet sich mit seinem Anliegen an die Beratungsstelle TikK, einem Verein, der sich seit 15 Jahren gegen Diskriminierung aufgrund von Ethnie, Religion, physischer Erscheinung oder Aufenthaltsstatus einsetzt. Hanspeter Fent, Geschäftsleiter TikK, erläutert, dass diese Ausgangslage typisch für die Arbeit der Beratungsstelle ist: «Die Betroffenen erwarten, dass die erfahrene Diskriminierung öffentlich sichtbar gemacht und gesühnt wird. Dem gegenüber stehen die Diskriminierenden, welche davon überzeugt sind, ihr Tun sei rechtens und
gesellschaftlich konform.» In oben dargestelltem Fall hat TikK zusammen mit dem Betroffenen den Sachverhalt in allen Details erhoben und über die Interventionsstrategie beraten. Als aussichtsreich erwies sich schliesslich eine Strategie der Einmischung. Obwohl sich TikK auf keinen gesetzlichen Auftrag berufen kann, forderte es die Gegenpartei auf, sich dem Konflikt zu stellen. «Bei der Kontaktaufnahme wollten sich anfänglich weder der Wirt noch die Polizei auf ein Gespräch einlassen», erinnert sich Hanspeter Fent, «doch schliesslich konnte eine für alle Seiten positive Lösung gefunden werden: Der Wirt hob das Hausverbot auf, der Betroffene und seine Freunde anerkannten im Gegenzug, dass sie das Café nicht für sich allein zur Verfügung haben können.»


Konflikte nicht «kulturalisieren»

Wo immer Menschen zusammen leben, entstehen Konflikte – sie müssen ihre Ursachen nicht unbedingt bei unterschiedlichen Kulturen oder Religionen haben. Gemäss Hanspeter Fent ist es wichtig, dass Konfliktursachen sehr genau analysiert und nicht einfach «kulturalisiert» werden. Bei TikK unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten von Konflikten. Oft sind es mehrere Dimensionen, die in einer Situation relevant sind. Ob und in welcher Form Fremdenangst bis hin zum offenen Rassismus ein Konfliktgeschehen beeinflussen oder gar ausmachen, muss sorgfältig entschlüsselt werden. Mit dieser Differenziertheit geht TikK interkulturelle Konflikte an.

Ein Fall, der Hanspeter Fent lange beschäftigt hat, war der Mord an einer jungen Frau: Der Vater erstach seine Tochter, weil diese sich gegen die Zwangsheirat mit einem Landsmann wehrte. «Was, wenn sich die Behörden früher eingeschaltet hätten?», fragte sich Fent immer wieder. Neben der Bera-tunstelle bietet TikK deshalb auch Schulungsmassnahmen als ein Mittel zur Konfliktprävention an. Durch die Sensibilisierung von Sozial- und Strafvollzugsbehörden, Polizei oder anderen Verwaltungsstellen lernen diese, die Anzeichen für kulturelle Konflikte rechtzeitig zu erkennen und angemessen einzu-schreiten. Aufgrund der professionellen und praxisnahen Arbeit geniesst TikK heute eine breite Akzeptanz bei Betroffenen, Verwaltungsstellen, Polizei und bei der Privatwirtschaft.
Beratung für alle TikK beschäftigt Mitarbeitende mit
unterschiedlichen kulturellen Abstammungen und beruflichen Hintergründen, von Sozialarbeitern bis zum Ethnologen. Die Mitarbeitenden treten ohne Vorurteile an Probleme heran und helfen offen und neutral. Der Zugang zur TikK-Beratung ist offen für Einheimische und Zugewanderte, auch innerhalb von diesen Gruppen. TikK arbeitet mit Privatpersonen und Organi-sationen, etwa auch Arbeitgebern, und unterstützt zudem andere Anlaufstellen fachlich. Immer wieder wird TikK von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus und der Fachstelle für Rassismusbekämpfung Fälle vermittelt. Weiter war TikK massgeblich am Aufbau des elektronischen Faller-fassungs-systems Dosyra beteiligt. Das System ermöglicht qualifizierten Bera-tungsstellen für Opfer von Rassendiskriminierung eine systematische Falldokumentation nach einheitlichen
Kriterien und liefert Daten für ein nationales Monitoring.

http://www.tikk.ch/home/page.aspx?page_id=1673

Olivia Neubauer


SOS Rassismus Deutschschweiz setzen sich für die Forderungen der Menschenrechte und gegen rassistische Diskriminierung in der Deutschschweiz ein. Als eine Infor-mations- und Triagestelle erbringt der Verein Sozial- und Rechtsbera-tung für Opfer rassistischer Diskriminierungen.

Di, Mi, Do 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, info@sos-rassismus.ch


DEM ISLAM OFFEN BEGEGNEN





Fundamentalismus, Minarett-Initiative, Kopftuch-streit – der Islam polarisiert und sorgt weltweit für Diskussionen und für eine steigende Islam-feindlichkeit. Auch in der Schweiz. Das National Coalition Building Institute Schweiz (NCBI) hilft als Bindeglied, Brücken zwischen Muslimen und ANDERSGLÄUBIGEN zu bauen, um damit Vorurteilen entgegenzuwirken.


Der Islam ist neben den beiden Landeskirchen die drittgrösste Religionsgemeinschaft in der Schweiz. Trotz wachsender Zahl ist das Verständnis für Muslime in weiten Teilen auf der Strecke geblieben. Das hat auch damit zu tun, dass ein persönlicher Erfahrungsaustausch und alltägliche Beziehungen zu dieser Minderheit fehlen. Vorurteile sind an der Tagesord-nung. Die Diskussionen rund um den Islam haben sich in den letzten Jahren verschärft und die Streitigkeiten um die Minarette und das Kopftuch sind immer weiter vorgerückt. Viele wissen nicht, dass der Islam nicht mit dem politisch geprägten Fundamentalismus gleich zu setzen ist. Eine Mehrheit der Muslime weltweit – auch in der Schweiz – distanziert sich von solchen Gewalthandlungen und spricht sich für demokratische Werte aus. Viele aktuelle Debatten rund um den Islam sind insofern umstritten, da sie oft die Religions- und Meinungs-freiheit tangieren. Die Frage, wie weit Muslime ihren Glauben frei ausleben dürfen, bleibt ein Dauerthema – so auch das Tragen des Kopftuchs. Oft wird die Bedeckung der Haare als sichtbares politisches Statement oder gar als ein klares Symbol für die Unterdrückung der Frauen angesehen. Doch was ist daran falsch, sich offen zu seiner Religion zu bekennen? Fragen, die NCBI aufgreift und in ihren Workshops thematisiert


Wissen und Ängste abbauen

«Oft entstehen Missverständnisse durch Unwissen, umso wichtiger ist es deshalb, das gegenseitige Verständnis und
den Respekt zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu fördern», erklärt Ron Halbright von NCBI. Die Begegnungen, die das Bildungsinstitut organisiert, werden jeweils mit lokalen Partnerorganisationen wie Vereinen, Kirchen, Schulen, Kultur- und Integrationsorganisationen umgesetzt. Muslimische und nichtmuslimische Erwachsene und Jugendliche enttabuisieren an den Veranstaltungen den Islam, lernen sich kennen und hinterfragen gängige Vorurteile. Auch kritische Streitpunkte werden diskutiert. So zum Beispiel die Stellung der Frau. Dabei erfahren die Teilnehmenden unter anderem, dass Frauen das Stimmrecht in der Türkei rund 40 Jahre früher als in der Schweiz bekamen. Auch Fragen über das Fasten während des Rama-dans, Essensvorschriften, Mekka und Minarette finden ihren Platz. Die Moderation sorgt dafür, dass ein respektvoller Dialog ohne Polemik entsteht. Die Leitung durch erfahrene interreligiöse Teams, die Offenheit und der Austausch werden geschätzt. Plötzlich geht es nicht mehr um Fremde und Pauscha-lisierungen, sondern um Mitmenschen und ihre Kultur, um Ähnlichkeiten, Unterschiede und gegenseitige Verständigung.
Eine aktuelle Studie zur Stellung der muslimischen Bevölkerung in Zürich finden Sie unter www.integration.zh.ch

Olivia Neubauer


AFRICAN SOLUTIONS ZÜRICH HILFT BEI DER INTEGRATION



Migrantinnen und Migranten aus Afrika, die in der Schweiz leben, sind genauso heterogen zusammengesetzt wie der afrikanische Kontinent selbst. Um die Integration dieser ethnisch-kulturell, religiös und sprachlich unterschiedlichen Menschen weiter voranzutreiben, sie zu fördern wie auch besser zu vernetzen, wurde in Zürich das erste Kompetenzzentrum für Integration und Unterstützung der afrikanischen Diaspora aufgebaut. African Solutions fokussiert sich gemeinsam mit Expertinnen und Experten auf transkulturelle Themen und Lösungsansätze. Im Angebot stehen unter anderem verschiedene Workshops und Kurse, die bei der Umsetzung der Integrations-ziele helfen sollen. African Solutions zeichnet sich zusätz-lich als Beratungsstelle für Kommunikation, Konfliktbear-beitung, Öffentlichkeitsarbeit und Schulungen aus. Dabei können sie auf das langjährige Know-how von Fachstellen zurückgreifen, die ihnen beim Evaluieren von Problemen helfen und dabei die kulturellen Gegebenheiten bestens kennen. Um die Integration bestmöglich zu gestalten, setzt African Solutions interkulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer ein; so können auf Grund der Sprachbarrieren keine Missverständnisse entstehen. Die Kantonale Fachstelle für Integrationsfragen unterstützt das Projekt.

Olivia Neubauer


African Solutions Zürich
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8005 Zürich
www.africansolutions.ch
mail@africansolutions.ch
044 536 30 20 – SMS 076 367 40 44