«GEMEINSAM GEGEN RASSISMUS»



YB-Spieler gemeinsam gegen Rassismus. Foto: z.V.g.


Rassistische Aktionen an Fussballspielen im Berner Wankdorfstadion waren für Urs Frieden Grund genug, den Verein «Gemeinsam gegen Rassismus» zu gründen. 1996 trat er erstmals an die Öffentlichkeit, und die Berner Young Boys trugen den Slogan gross auf ihren Trikots. Der Beginn einer bewegten Story zum Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit.


Es gab eine Zeit, in der Fussballspiele im Berner Wankdorf-stadion nicht nur vom runden Leder beherrscht wurden. Rassistische Hooligans verbreiteten Mitte der 1990er Jahre eine fremdenfeindliche Stimmung, buhten dunkelhäutige Spieler aus und sprayten Hakenkreuze an die Stadionwände. «Es war sehr ungemütlich damals, und viele blieben den Spielen deshalb fern. Das Stadion wollten wir aber nicht einfach den grölenden Rassisten überlassen», sagt Urs Frieden, Journalist und inzwischen Vizepräsident des Berner Stadtrats. Zusammen mit ein paar Interessierten gründete er im März 1996 den Verein «Gemeinsam gegen Rassismus». Mit Werbung auf den Spieler-trikots, Podiumsgesprächen, Publikationen in der Stadionzei-tung, Medienauftritten und Lautsprecher-Durchsagen konnte der zuerst nur kleine Verein der bedenklichen Entwicklung erfolgreich entgegenwirken. Rassistische Aktionen nahmen markant ab. Auch wenn Gewalt an sich bis heute nicht aus dem Stadion verbannt ist: Gerade Ausländerinnen und Ausländer fühlen sich heute wieder sicherer im inzwischen neu gebauten Stade de Suisse. Es war der Beginn einer bis heute andauernden, erfolgreichen Geschichte des Vereins «Gemeinsam gegen Rassismus», die sich auch für den damals konkursgefährdeten BSC Young Boys lohnte. Imagemässig stand er mit seiner Trikotwerbung europaweit als Pionier da, und die Spendengelder, die für den Slogan «Gemeinsam gegen Rassismus» eingingen, erhielt ebenfalls der Fussballclub – insgesamt 163'000 Franken.


Aufbau der Fanarbeit

Ende 1996 wurde Urs Frieden zum ehrenamtlichen Fan-Beauftragten des BSC YB ernannt, auch das ein Novum im Schweizer Fussball. Seit zwei Jahren sind zwei professionelle Fanarbeiter im Stade de Suisse Wankdorf angestellt. Sie kümmern sich um die Belange der Fans, indem sie die Verbindung zwischen den über 30 Fanclubs mit dem Verein und den
Stadionverantwortlichen herstellen, Auswärtsfahrten mit den SBB organisieren – und dabei gleichzeitig präventive Arbeit im Bereich Gewalt und Rassismus leisten. Wenn ein Verein nicht auf die Fans höre, verspiele er sein wichtigstes Kapital, sagt Frieden, der heute als Kommunikationsberater tätig ist.


«HalbZeit»-Lokal als Zentrum

Eine wichtige Voraussetzung für die langfristige Arbeit des Vereins «Gemeinsam gegen Rassismus» war die Eröffnung des Vereinslokals «HalbZeit» im Jahr 1998. Dadurch konnten noch mehr Mitglieder gewonnen werden; heute sind es bereits über 400. Und der Slogan «Gemeinsam gegen Rassismus» tauchte dank besserer Vernetzung auch in anderen Stadien und anderen Sportarten auf. In der englischen Übersetzung («Unite against Racism») ist der Slogan längst auch an Spielen der Uefa (Champions League, EURO) zu sehen. Die Berner Anti-Rassisten waren übrigens auch Gründungsmitglied des mit der Uefa zusammenarbeitenden Netzwerks «Football against Racism in Europe» (FARE).


Völker verbinden den Fussball

Ein wichtiges Projekt für den Verein war die Mit-Organisation des Freundschaftsspiels FC Thun gegen den FC Prishtina aus dem Kosovo im Jahr 1998. Die Traditions-Mannschaft konnte aufgrund der Wirren im eigenen Land weder eine Meisterschaft spielen noch im eigenen, von Serben besetzten Stadion auftreten. Auch das Rückspiel nach dem Krieg (FC Prishtina gegen eine Berner Auswahl, mit Live-Übertragung im einheimischen TV) organi-sierten die Berner Aktivisten und konnten für das Patronat sogar den damaligen Bundespräsidenten Moritz Leuenberger gewinnen.


Promis für «Zeig Rassismus die rote Karte»

Zwar ist Gewalt heute sicherlich das grössere Problem in und um die Stadien, doch das hält die inzwischen mehrfach preisge-krönten Leute vom «Gemeinsam gegen Rassismus» nicht davon ab, weiterhin auf die Rassismus-Thematik aufmerksam zu machen – zum Beispiel jeden Herbst im Rahmen der FARE action week, die in fast allen Ländern Europas durchgeführt wird. Statements von YB-Spielern, ausgestrahlt über die grossen Stadionscreens, Transparente oder Interviews im Stadion-TV, nehmen klar Stellung, auch gegen Gewalt, Sexismus und Homophobie. Dazu kommen Aktionen wie das Fotoshooting mit der grossen roten Karte mit der Aufschrift «Zeig Rassismus die rote Karte». Inzwischen haben schon hunderte diese Karte vor die Fotokameras gehalten, darunter auch Prominente wie Lucien Favre, Kuno Lauener, Tania Frieden oder Hakan Yakin (vgl. www.halbzeit.ch/galerie). Wenn das keine Erfolgsgeschichte ist!

Weitere Infos unter www.halbzeit.ch

Rea Wittwer


ETHNOPOLY'09 MOBILISIERT UND BEGEISTERT


Jugendliche auf kultureller Entdeckungsreise. Foto: z.V.g.


Unter dem Motto «Sport baut Brücken – in der Schweiz und auf der ganzen Welt» führte der Verein Sport – The Bridge vor einem Monat zum dritten Mal das interkulturelle Begegnungsspiel «Ethnopoly’09» in Bern durch. Im Zentrum stand nicht das Lösen kniffliger Aufgaben, sondern der interkulturelle Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern sowie Migrantinnen und Migranten.


Nach dem grossen Erfolg von 2005 und 2007 fand im Oktober dieses Jahres in Bern wieder der interkulturelle Postenlauf Ethnopoly’09 statt. Rund 500 Schulkinder besuchten dabei an mehreren der rund 90 Posten Personen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Lebensweisen in deren Wohnungen oder an deren Arbeitsplätzen. Im Gespräch mit den Migrantinnen und Migranten wurde der persönliche Austausch zwischen den Jugendlichen und den Gastgebern gefördert. Für jeden Postenbesuch erhielten die Gruppen die fiktive Spielwährung «Ethnos» ausbezahlt, unabhängig davon, wie die Fragen beantwortet wurden. Mit etwas Glück beim Würfeln kamen weitere Ethnos dazu. An den Quartierposten, wo auch Passanten am Spiel teilnehmen konnten, bestand für die Jugendlichen ebenfalls die Chance, weitere Ethnos dazu zu verdienen. Jene Gruppe, die am Ende des Spieltages die meisten Ethnos gesammelt hatte, wurde zur Siegerin gekürt.


Höflichkeit wird gross geschrieben

Sämtliche Gruppen besammelten sich morgens auf dem Bundesplatz. Eine bunte Mischung aus Mädchen und Knaben mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und von verschiedenen Berner Schulhäusern. Jede Gruppe erhielt Spielinstruktionen, eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, einen Stadt- und Bus-/ Tramfahrplan, eine Postenliste und eine kleine Überraschung überreicht. Dann konnte es losgehen. Mit Hilfe der Unterlagen mussten die Jugendlichen die Posten aufsuchen: Familien, Einzelpersonen, Geschäfte und Beratungsstellen aus mehr als 30 verschiedenen Ländern erwarteten sie und erzählten ihnen Episoden aus ihrer Migrationsgeschichte oder ihrem Leben in der Schweiz. Je nach Posten wurden die Kinder anschliessend mit Fragen konfrontiert. Hauptziel war aber, einen Dialog entstehen zu lassen. Auch wenn die Gruppen dabei etwas unter Zeitdruck gerieten: Geduld, Höflichkeit und die Bereitschaft, mit den Gastgebern zu plaudern, gehörten zum Spiel dazu.


Warum braucht es Ethnopoly’09?

Wie auch in anderen Städten leben in Bern viele Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und religiöser Zugehörigkeit. Ein friedliches Zusammenleben ist auch hier keine Selbstverständlichkeit. Es geht um diese Herausforderung, welcher sich Sport – The Bridge mit Ethnopoly’09 annehmen will. Auf spielerische Art soll die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen gefördert werden und so zum Abbau von Intoleranz und Vorurteilen beitragen. Als Ergänzung zum eigentlichen Begegnungsspiel vertieft ein Begleitprogramm in den Schulklassen die Auseinandersetzung mit Vorurteilen. In der Nachbereitung werden die am Spieltag gemachten Erfahrungen reflektiert. Die Organisatoren bestätigen, dass sich die Präsenz bewährt hat und deutlich macht, dass Ethnopoly’09 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, an Posten beteiligte Personen und Helfer mobilisieren und begeistern kann. Auch in anderen Schweizer Städten fand das Spiel bereits statt, so zum Beispiel in Zug, Luzern, Schaffhausen und Genf.

Nicole Philipp-Weder


Der Verein und das Projekt
Der Verein Sport – The Bridge aus Bern besteht seit 2002 und setzt sich mit der Hilfe von Freiwilligen und sportlichen Massnahmen für die Umsetzung von Projekten in Äthiopien und in der Schweiz ein. Das Konzept von Ethnopoly’09 stammt von Katamaran – Verein zur Integration der tamilisch sprechenden Gemeinschaft in der Schweiz.
Weitere Infos unter www.ethnopolybern.ch.