SAFER CLUBBING - CLUBBING WITH KNOW-HOW




Im Ausgang wird nicht nur gefestet. Foto: keystone


Freitagabend, das Wochenende ruft und die Tour durch die Clubs mit Freunden gehört bei vielen jungen Erwachsenen dazu. Doch hoher Alkoholkonsum, Gewaltbereitschaft und Unstimmigkeiten mit Anwohnern können die PartyStimmung schnell trüben. Der Verein Safer Clubbing setzt sich hier ein und fördert eine lebendige Tanzkultur auf hohem Niveau und das durch Qualitäts-sicherung innerhalb der Clubszene. Zum Beispiel im Aarauer Club Kettenbrücke.


Das Angebot an Partys ist gross. Wer sich amüsieren will, hat die Qual der Wahl. Nicht in allen Clubs wird jedoch gleich viel in das Qualitätsmanagement investiert. Fehlende Massnah-men können schnell den Spassfaktor auf der Tanzfläche zunichte machen und dem Image des Clubs schaden. Solche Konflikte werden nicht ausschliesslich von den Partygängerinnen und -gängern ausgelöst, auch das Clubumfeld sorgt vermehrt für Unruhe. Lärmbelästigungen, Prügeleien und der Konsum von diversen Betäubungsmitteln führen vermehrt zu Konflikten mit Anwohnern. Club-Inhaber sind gefordert, in und um die Lokalitäten mehr Verantwortung zu tragen. Es ist nicht einfach, allen gerecht zu werden und es braucht immer schärfere Richtlinien.


Gewalt frühzeitig erkennen

Es ist nicht viel nötig, aus einer harmlosen «Pöbelei» eine handfeste Schlägerei entstehen zu lassen. Und wenn bei solchen Vorfällen auch noch ein fremdenfeindlicher Hintergrund vermutet wird, kann es schnell aus dem Ruder laufen. Auffällig ist, dass junge Migrantinnen und Migranten häufig in solche Auseinandersetzungen verwikkelt sind – entweder als Täter oder Opfer. Um dieser Problematik vorzubeugen, führt der Verein Safer Clubbing eine Datenbank für so genannte «Clubhooligans». Ziel ist es nicht, möglichst viele Personen in der Datenbank aufzunehmen. Erfasst wird nur, wer sich auffällig verhält, andere Personen vor Ort provoziert oder attackiert. Die Datenbank soll ein Zeichen setzen und die Jugendlichen von sinnlosen Prügeleien soweit als möglich abschrecken. Wer erfasst wird, hat keinen Zutritt mehr in die Safer-Clubs und das über die Kantonsgrenzen hinaus. Die Verbote sprechen sich in der Szene herum und die Partygänger sind bereits vorher auf das Thema sensibilisiert. Das zeigt Wirkung. Eine Zahl über den Rückgang der Schlägereien kann zwar nicht genannt werden, aber die Gewaltbereitschaft in Clubs ist gesunken. Der Verein Safer Clubbing ist überzeugt, mit diesen differenzierten Massnahmen ein wichtiges Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Die gewaltfreie Kommunikation auch zwischen verschiedenen Migrationsgruppen wird gross geschrieben. Ziel ist es, dass geschultes Clubpersonal aggressionsbereite Gäste frühzeitig erkennt und aus dem Club verbannt. Die Clubs halten sich strikte an das Motto: «Wer sich nicht an die Hausordnung hält, gehört nicht in den Club.» Auch dem Club Kettenbrücke im Aarau sind diese Leitplanken besonders wichtig und man setzt das Safer Clubbing Konzept bereits seit vergangenem Jahr aktiv um. «Es ist bereits eine Änderung im Verhalten der Clubbesu-cherinnen und -besucher zu spüren und die strengen Richtlinien kommen gut an», so Georgios Antoniadis, Präsident der Sektion Aargau und Geschäftsführer des Clubs Kettenbrücke.


Zum Schutz der Partygänger

Die im Verein Safer Clubbing zusammengeschlossenen Clubs bieten einerseits Gewähr für schöne und angenehme Tanz-erlebnisse, andererseits beschäftigen sie sich auch mit der HIV-, Sucht- und Gewaltprävention und versuchen dort, soweit als möglich vorzubeugen. Durch den Schulterschluss können die Anliegen der Szene auch auf politischer und behördlicher Ebene kompetent vertreten werden. Das Club-Personal unterzieht sich regelmässig spezialisierten Schulungen, um die selbst definierten, hohen Standards erfüllen zu können. Gemeinsam werden, über die Kantonsgrenzen hinaus, die Probleme ange-gangen und sofern möglich auch gelöst. Durch die Beobachtungen von Betreibern und Personal können früh negative Trends erkannt und entschärft werden. Ein effizientes Frühwarnsystem für gefährliche Substanzen, die in Umlauf kommen, wäre sonst kaum möglich. Das Gütesiegel steht für verantwortungsvoll geführte Clubs, in denen die Besucher Zugang zu Trinkwasser, Ohrstöpseln, Kondomen und wichtigen Informationen bezüglich HIV und Drogenkonsum bekommen. Alles zu kontrollieren ist unmöglich, die Qualität und Sicherheit zu wahren, hingegen massgebend. Das Gütesiegel wird nicht ohne Kontrolle vergeben und auch nach Vergabe wird in regelmässigen Abständen genau geprüft, ob die Richtlinien eingehalten werden. Die Clubs sind mit einer Plaquette am Eingang ausgezeichnet. Der Verein Safer Clubbing wurde im Jahr 2004 gegründet. Die Standorte der Clubs befinden sich in Zürich, Bern, Winterthur, Basel, Luzern und Aargau.

Olivia Neubauer

Mehr Info unter:
Verein Safer Clubbing
Postfach 2070
8031 Zürich – Schweiz
info@safer-clubbing.ch


EIN THEATER MACHT SCHULE






Hautnahes Theatererlebnis an Schulen. Foto: z.V.g.


Für viele klingt der Begriff «Multikulti» abgedroschen, doch wer einen Blick hinter die Kulissen des Forumtheaters Maralam und deren Projekt «Rookie» wagt, entdeckt eine erfrischende Truppe, die, ohne Berührungsängste, Jungendliche an Berufs-fachschulen mit Themen wie Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert.


In Klassen der Berufsfachschulen treffen Jugendliche mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Biographien aufeinander. Das ist oftmals eine Bereicherung, kann aber auch zeitweise zu Auseinandersetzungen führen. Das Projekt «Rookie» möchte dieser Problematik gekonnt und mit viel Spass und Ernsthaftigkeit entgegenwirken. Das Forumtheater ist eine interaktive, lustige Diskussionsweise, bei der Schülerinnen und Schüler die Szenerie auf der Bühne direkt beeinflussen können. Das Testen von Grenzen ist dabei unvermeidlich. Die Lernenden, wie auch das Lehrpersonal, werden durch die angespielten Szenen inhaltlich und emotional herausgefordert und in das Geschehen involviert. Bis heute haben bereits über 7’000 Berufsschülerinnen und -schüler in der Deutschschweiz das Experiment gewagt. Auch die Berufsschule Baden profitierte mit ihren Lernenden von diesem Projekt. Die unkonventionelle Art, den alltäglichen Problemstellungen entgegenzuwirken und den Schülern Szenen mit Konfliktpotential vor Augen zu führen, hat bei ihnen Wirkung gezeigt. Die drei ausgewählten Szenen haben sich in Baden durch den Einsatz der Lernenden unerwartet weiterentwickelt und die Schülerinnen und Schüler begeistert. Zu Beginn der Veranstaltung werden die vorbereiteten Szenen einmal ganz durchgespielt, ohne dass die Schüler eingreifen können. Im zweiten Durchgang haben sie dann die Möglichkeit, Szene für Szene so anzupassen, wie sie die Situationen im Alltag erleben. Wer möchte, darf mitspielen, gezwungen wird aber niemand.


Bühne frei

Durim Dajaku und Alexandra Gut betreten die Bühne. Durim, ein «typischer» Albaner, verliebt sich in die Schweizerin Alexandra. Eine Liebesaffäre bahnt sich an. Doch Alexandra ist nebenbei auch noch mit dem Schweizer Mike liiert. Das tut der Liebesbeziehung keinen Abbruch, die Konflikte hingegen sind vorprogrammiert. Der Schweizer erwischt die beiden und der Ärger beginnt. Dahinter verbergen sich kulturelle und ge-schlechterspezifische Konflikte. Die festgeprobten Szenen werden beim ersten Durchgang nur von den Schauspielern durchgespielt. Den Schülern scheint der Ausgang nicht zu gefallen, zu unrealistisch in ihren Augen. Im zweiten Durchgang greifen sie lauthals ein. Jene, die sich zu Wort melden, werden eingeladen die Bühne zu betreten und ihre Rolle zu übernehmen. Viele kommen der Aufforderung nach. Anderen ist es unwohl, sie möchten lieber aus dem Publikum das Spielgeschehen dirigieren und den Kollegen auf der Bühne Anweisungen geben. Das ist auch durchaus erlaubt, nur dirigieren müssen sie, ansonsten bleibt die Geschichte unverändert. Im Fall der chaotischen Liebesbeziehung entscheiden sie sich für eine Prügelei zwischen den beiden Konkurrenten. Voller Enthusiasmus steigen sie darauf ein. Die Situation wird gar noch verstärkt, in dem Stühle auf die Bühne gestellt werden, damit sie es auch so richtig krachen lassen können. Die Bühne füllt sich mit Schülern, schliesslich brauchen die beiden jungen Männer Unterstützung. Albaner gegen Schweizer – das ist die Situation. Der Moderator fordert die Schüler heraus. Er stellt Fragen nach dem Sinn und Zweck einer Prügelei und wie diese umgangen werden kann. Unangenehme Fragen, wo es doch so viel einfacher wäre, sich zu prügeln. Wortgefechte füllen den Raum. Die Lernenden haben keine Möglichkeit, zu flüchten oder ihre Fäuste zu gebrauchen. Das meist ungeliebte Artikulieren steht im Mittelpunkt. Sie müssen lernen, zu ihrem Wort zu stehen, sich klar und verständlich zu äussern, bevor es zur Eskalation kommt. Die vorgefertigten Bilder im Kopf sollen sich ändern, Verhaltensmechaniken zumindest für einen kurzen Augenblick durchbrochen werden. Ziel ist es, andere Lösungen in den Vordergrund zu rücken. Albanische und Schweizer Wortfetzen fliegen durch den Raum und nach hitzigen Minuten verstummen die Stimmen. Sie einigen sich
tatsächlich mit Wortgefechten, hart aber fair. Das ist nur eine von vielen Szenen, die vor den Klassen gespielt werden. Die Problematik zwischen Lehrmeister und Lernenden wird auch mittels solcher Szenerien unter dem Namen «Lämpe i de Lehr» aufgegriffen und diskutiert. Das Schauspiel soll den Schülern praktische Lösungen aufzeigen. Auch wenn das Spiel sehr ernst werden kann, der Spass steht dabei immer im Vordergrund.

Olivia Neubauer


Explodierer – Das nächste Projekt
Explodierer ist ein Stück über Heimat, Sehnsucht, Liebe, Gewalt und Frieden. Gespielt von den zwei jungen Schauspielern Assef Mesmeh und Dashmir Ristemi. Die Szenerien zeigen das Spannungsfeld von Identitätssuche und Verlorenheit. Aktuelle Texte werden unter anderem in Rap-Form vorgetragen und instrumental unterstützt. Hinter dem Projekt steht
viel Engagement und schauspielerisches Talent. Die Produktion findet in Kooperation mit dem Schweizerisch-Arabischen Kulturzentrum statt.

Maralam Theater, Werdinsel 4, 8049 Zürich, Tel. 044 341 71 65
info@rookie-das-forumtheater.ch, www.rookie-das-forumtheater.ch