EDITORIALLiebe
Leserinnen, liebe Leser Was heute kompliziert als empathisch kulturell-sensibles Verhalten bezeichnet wird, hiess früher schlicht und einfach Anstand. Beide Werte beinhalten höfliches und wertschätzendes Benehmen gegenüber allen Menschen und erst recht gegenüber Fremden. Im guten alten Struwwelpeter wird der Bube, der den Afrikaner verspottet, zur Strafe kurzerhand ins Tintenfass gesteckt. Inzwischen haben wir eine Rassismus-Strafnorm, um jene zu bestrafen, die den Holocaust leugnen oder öffentlich gegen Minderheiten hetzen. Der Begriff «Rasse» hat sich im Volksmund zur Bezeichnung von Dunkelhäutigen und Asiaten durchgesetzt, obwohl wissenschaftlich gesehen gar keine Menschenrassen existieren, da wir alle dieselben Urahnen haben, die vor 100 000 Jahren in Ostafrika beheimatet waren. Nichtsdestotrotz bleibt Rassismus in all seinen Facetten ein Dauerthema. Die bekanntesten rassistischen Phänomene sind bei uns – und in den umliegenden Ländern – die geradezu notorische Hetzerei gegen Juden und Afrikaner; im Zuge der Migration aber auch gegen «Tschinggen», «Spanioggel», «Jugos», «Türken», «Tamilen» und neuerdings auch wieder gegen die «Schwobe», wie schon vor dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg. Aber auch Einheimische werden Opfer von Ausgrenzung und Vorurteilen, wenn sie im Wohnblock oder im Schulzimmer zur Minderheit werden. Und wir erleben auch immer wieder rassistische Übergriffe unter verschiedenen Migrantengruppen. Die Augen davor zu verschliessen gilt nicht. Bei der Erarbeitung dieser MIX-Ausgabe ist klar geworden, wie schwer es ist, über Rassismus zu sprechen. Ein Tabuthema – sowohl für die Opfer wie auch für die Täter. Die Schweiz als kulturell vielfältige Willensnation und Hüterin der Menschenrechtskonventionen muss das Gift des Rassismus und der Diskriminierung mit einer klugen Politik und überzeugender Aufklärungsarbeit schon im Ansatz bekämpfen. Das geht nicht mit Moralismus, das geht mit demokratischer Auseinandersetzung und mit Anstand. Es sind also alle in der Pflicht. Mehr rund um Rassismus im Alltag finden Sie – liebe Leserinnen und Leser – in dieser Ausgabe der MIX. An dieser Stelle danken wir der Eidgenössischen Fachstelle für Rassismusbekämpfung für die grosszügige Unterstützung für die Realisierung dieser Ausgabe. Julia Morais für die Integrationsdelegierten | |||||||||||||||||||||||||||||||






