«Brückenbauer»im Dienste der Integration![]() Thomas
Würgler, Kommandant der Kantonspolizei Zürich. Foto: z.V.g. Toleranz
und gegenseitiges Verständnis stärken die Integration und bauen bestehende Vorurteile ab. Damit kann
das friedliche und auf gegenseitige Rücksichtnahme gerichtete Zusammenleben gefördert werden. Auch die
Kantonspolizei Zürich setzt auf diese Werte. Seit Anfang 2008 sucht und pflegt sie einen intensiveren
Kontakt zur Migrationsbevölkerung und geht mit der Fachstelle
Brückenbauer neue Wege in der Polizeiarbeit. Der neue Polizeikommandant Thomas Würgler nimmt Stellung. Das
gegenseitige Wissen um Gepflogenheiten, Sitten und Bräuche wird gerade dann sehr wichtig, wenn in Ausnahmesituationen
ein grosses Konfliktpotenzial besteht. In der entsprechenden Situation, wo Kleinigkeiten über Eskalation
oder Schlichtung entscheiden können, helfen richtige Worte und Verhaltensmuster, die auch verstanden
werden. In der Dichte an kultureller Vielfalt, gerade in den grösseren Städten und Agglomerationen wie
Zürich, stellt sich die Frage, wie man sowohl Polizistinnen und Polizisten wie auch den Bevölkerungsgruppen
mit Migrationshintergrund ein Bild über die jeweiligen kulturellen Gegebenheiten vermitteln kann. Mit
der Zusammenstellung des Brückenbauer-Teams folgte 2006 die Antwort auf diese komplexe Frage. Dank vielen
positiven Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren gesammelt werden konnten, hat sich dieser aktive
interkulturelle Austausch «zu einer unverzichtbaren Fachstelle zur ganzheitlichen Erfüllung der Polizeiarbeit
entwickelt. Sie fördert das gegenseitige Kulturverständnis und ist ein wichtiger Teil der Integrationsarbeit»,
hält der Polizeikommandant Thomas Würgler fest. Die
Fachstelle besteht aus zwölf Polizeiangehörigen, die im Nebenamt tätig sind. Durch den Besuch geeigneter
Bildungsveranstaltungen eignen sich die Teilnehmenden elementares Wissen über fremde Kulturen und deren
Bräuche an. Sie verfolgen in erster Linie das Ziel, Personen mit Migrationshintergrund die Aufgaben
der Zürcher Polizei näherzubringen sowie das gegenseitige kulturelle Verständnis zu fördern. Aktive
Präventions- und Integrationsarbeit «Wir wollen
mit unserer Arbeit Personen mit Migrationshintergrund zu einer besseren Orientierung über die Aufgaben
der Zürcher Polizei und über das Funktionieren unseres Rechtsstaates verhelfen. Gleichzeitig fördern
wir aber auch korpsintern die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen», betont der Kommandant. Die Mitarbeitenden
des Brückenbauers suchen aktiv den Kontakt zu den einzelnen Zielgruppen, indem sie regelmässig an öffentlichen
oder privaten Veranstaltungen teilnehmen. Angesprochen werden unter anderem Themen wie die Gleichberechtigung
von Mann und Frau oder Sinn und Zweck einer Polizeikontrolle. «Wir sind auch an Schulen präsent. Dadurch
wollen wir bereits im jungen Alter die Akzeptanz für die hiesige Polizei und die kulturellen Sitten
fördern», sagt Thomas Würgler abschliessend. Mit der
Gründung des Brückenbauers hat die Kantonspolizei Zürich erfolgreich neue Wege beschritten und mehrheitlich
positive Erfahrungen gesammelt. Die Brücke ist geschlagen, jetzt wird sie überquert. Estefania
Garcia Jung Für weitere Informationen
oder als Referent für öffentliche oder private Veranstaltungen steht Ihnen Walter Jucker, Fachstellenleiter
Brückenbauer, zur Verfügung. Telefon
044 247 22 11 oder über E-Mail: brueckenbauer@kapo.zh.ch 3 Fragen AN Hans Hollenstein![]() Hans
Hollenstein, Regierungsrat des Kantons Zürich. Foto: z.V.g. Der
Anteil ausländischer Tatverdächtiger ist gemäss der Kriminalstatistik 2007 des Kantons Zürich gegenüber
dem Vorjahr um 2,1% gesunken. Mit 58,2% ist jedoch ihr Anteil bei schweren Delikten gegen Leib und Leben
sehr hoch. Was entnehmen Sie diesen Zahlen? Der
Rückgang ist erfreulich. Es ist aber noch zu früh, daraus eine definitive Trendwende abzulesen. Gewalttäter
sind oft ungenügend ausgebildet und haben wenig berufliche Perspektiven. Ein erhöhtes Risiko für Gewalttaten
sind auch das Fehlen von einem tragfähigen sozialen Beziehungsrahmen sowie eine schlechte Integration.
Gegen diese Ursachen müssen wir vorgehen. Wie
unterstützen sich die Integrationsfachstelle, das Migrationsamt und die Polizei gegenseitig? Die
erwähnten Hintergründe zeigen, dass nicht nur polizeiliche Mittel gefordert sind. Die Kantonspolizei
Zürich verfügt über einen Jugenddienst, der sich nicht nur mit der Aufklärung jugendspezifischer Straftaten
befasst, sondern auch in der Prävention tätig ist. Ergänzend zur polizeilichen Prävention leisten zudem
Integrationsprogramme einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Gewalttaten. Wie
kann man Integration und Sicherheit vorantreiben? Neben
den kantonalen und kommunalen Behörden spielen auch private Organisationen, insbesondere die Vereine,
eine wichtige Rolle für die Integration und damit im weiteren Sinne für die Sicherheit. Gerade Sport-
und Kulturvereine können viel zur besseren Verständigung zwischen Einheimischen und ausländischer Wohnbevölkerung
beitragen. Diese Arbeit wollen wir mit der kantonalen Sportpolitik noch vermehrt fördern. RoadCross – gegen den Kampf auf den Strassen![]() Unterschiedliche
Ursachen, gravierende Folgen. Fotos: z.V.g. Jeder
zweite Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren ist in einen Autounfall verwickelt. Die Bilanz: 384 Tote
und fast 5300 Schwerverletzte im Jahr 2007. Auch dank dem Engagement von RoadCross, einer Vereinigung,
die sich unter anderem für die Unfallprävention von Jugendlichen im Strassenverkehr einsetzt, konnte
die Zahl der Unfälle in den letzten 20 Jahren halbiert werden. Doch noch reicht das Ergebnis nicht aus. Es
klingelt. Ein uniformierter Polizist steht vor der Tür. «Ja, bitte?» «Es tut mir leid, Ihr Sohn hatte
einen Autounfall...» Eine schreckliche Vorstellung und doch traurige Realität auf Schweizer Strassen.
Um Tragödien wie diese rechtzeitig zu verhindern, führt Road- Cross seit drei Jahren Präventionskurse
an höheren Schulen, in Sportclubs und bei Lehrlingen durch. Etwa 15000 Jugendliche, meist junge Männer
im risikoträchtigen Alter zwischen 16 und 25 Jahren, werden damit erreicht. Im Fokus der Veranstaltungen
steht das Bewusstsein für den Strassenverkehr, die damit verbundenen Risiken und die Aufklärung. Mithilfe
von anschaulichen Beispielen soll den Jugendlichen ins Bewusstsein gerufen werden, welche Ursachen einem
Unfall vorausgehen. Die Veranstaltungen zielen auf vier Sachverhalte ab: sensibilisieren, Ursachen erforschen
und Gefahren erkennen und Verhalten ändern. Bewusstsein
für Opfer stärken Bilder und Videobeiträge zeigen
die Realität auf unseren Strassen und die schrecklichen Folgen auf; sie beschönigen nichts und wirken
beim Anblick schockierend. Doch was sind die Folgen für die Unfallopfer? Nicht nur der physische Schmerz,
auch der psychische Schmerz sitzt tief. Nach langen und kostenintensiven Spitalaufenthalten steht die
Wiedereingliederung in den Alltag an. Doch je nach Folgenschwere des Unfalls ist ein normaler Arbeitsalltag
nicht mehr möglich. Ein Leben lang beeinträchtigt sein – eine Diagnose, die Jung und Alt trifft. Einmal
ohne nachzudenken auf das Gas gedrückt und der Unfall ist passiert. Es kann jeden treffen, auch im eigenen
Umfeld. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Rund 40 Prozent der Unfälle entstehen aufgrund von Ablenkung,
Telefonieren am Steuer und Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes. Knapp gefolgt von den Raserunfällen
mit 36 Prozent. Bei jedem fünften Unfall steht der
Fahrzeuglenker unter Einfluss von Alkohol oder Drogen. Die Teilnehmenden sind schockiert über diese
Zahlen und betroffen angesichts des Ausmasses für die Angehörigen. Um die Sicht des Opfers noch anschaulicher
darzustellen, begleitet so oft als möglich ein Unfallopfer oder Täter eine Präventionsveranstaltung.
Die Leidensgeschichte persönlich erzählt zu bekommen, eventuell sogar die Konsequenzen zu sehen, das
wirkt. Da eine grosse Anzahl von Rasern Migrationshintergrund haben, erarbeitet RoadCross zurzeit ein
Projekt, das gezielt diese Zielgruppe anspricht. Professionelle
Aufklärung RoadCross geht es nicht darum, mit
erhobenem Zeigefinger moralische Vorschriften zu machen. Wichtig ist hingegen, die Unfallfolgen aufzuzeigen,
denn ein Unfall kann das Leben von Opfer und Täter zerstören – psychisch, physisch wie auch auf juristischer
Ebene. Damit die Jugendlichen optimal an das Thema herangeführt werden und Aufklärung geschaffen wird,
werden sie an den Veranstaltungen von ausgewiesenen Fachkräften betreut: Nebst einem geschulten RoadCross-Moderator
ist häufig auch ein Polizist dabei. Mit diesen Präventionsbemühungen sollen noch mehr Jungendliche für
den Strassenverkehr und seine Gefahren sensibilisiert werden, damit die Zahl der Unfälle weiter reduziert
wird. Null Opfer im Verkehr wird es wohl nicht geben, aber mit professioneller Aufklärung kann man diesem
Ziel etwas näherkommen. Olivia Neubauer Gönnerschaft:
Die Stiftung RoadCross lebt auch von Gönnern und Spendern. Als Gönner oder Spender kann jedermann einen
Beitrag leisten, damit die Arbeit von RoadCross weitergeführt werden kann: www.roadcross.ch iDoc Integration – die neue ModellprojektDatenbankSeit
dem 1. Januar 2009 ist die neue Good-Practice-Datenbank iDoc Integration der Fachstelle für Integrationsfragen
online. Die Modelldatenbank – ein Novum im europäischen Raum – beinhaltet Integrationsprojekte mit Modellcharakter
aus dem Kanton Zürich sowie aus anderen Kantonen und dem Ausland. Die Datenbank richtet sich an alle
Akteure im Integrationsbereich, die ihr Wissen, ihre Ideen und ihre positiven Erfahrungen austauschen
möchten und auf die Nachhaltigkeit ihrer Projekte setzen. Die sorgfältige Prüfung
und die standardisierte und strukturierte Aufbereitung der nachgewiesenen und praxisnahen Modellprojekte
macht Integration für Gemeinden, Schulen, Betriebe und weitere Interessierte fassbar. iDoc Integration
wurde auf Initiative der Kantonalen Fachstelle für Integrationsfragen in den Jahren 2007–2008 in Zusammenarbeit
mit dem Schweizer Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention (Radix) geplant und wissenschaftlich
fundiert aufgebaut. Der Lotteriefonds des Kantons Zürich unterstützte das Projekt finanziell während
der Entwicklungs- und der Pilotphase. iDoc Integration wird in regelmässigen Abständen aktualisiert
und erweitert. www.idoc-integration.zh.ch | ||||||||||||||||||||||||||||||||









