In eine sichere Zukunft




Die Schülerinnen und Schüler des Jugendprogramms Solothurn (JUP) zeigen ihre Eindrücke zum Thema Sicherheit auf. Sie sind froh, dass dieses Programm ihnen Chancen für eine sichere Zukunft bietet.


Anja (Schweiz) über ihre Unsicherheit in einer neuen Klasse

Es war der Tag, an dem ich in eine neue Klasse sollte. Am Morgen stand ich mit einem bedrückenden Gefühl auf. Wie es wohl sein mag, wenn viele fremde Augen einen anschauen? Ganz allein vor einer Klasse zu stehen, die man noch nie gesehen hat. Was sie wohl denken? Welche Vorurteile sie schon haben? An welchen Tisch soll man sich setzen und ist die Person an dem Tisch eine Freundin oder nutzt sie dich nur aus, weil du neu und froh um jede Hilfe bist? Man kennt die Leute nicht und die Atmosphäre ist anders. Man möchte sich am liebsten ganz unauffällig benehmen, aber trotzdem muss man Mut fassen und sich von Anfang an Respekt verschaffen. Sonst bist du schnell ein Mobbing-Opfer und man wird diese Einordnung schlecht wieder los.

Man sagt, dass viele Klassenwechsel einen stärker machen und Neues auf sich nehmen einfacher wird. Jede Klasse ist aber anders und man muss schnell herausspüren, ob die Klasse eine hohe Gewaltbereitschaft hat, ob sie friedlich und kontaktfreudig ist. Wenn die Klasse feindselig ist, musst du dich sofort behaupten. Sonst wird man nur ins Unglück gezogen und auf den falschen Weg gebracht. In einer friedlichen Klasse findet man schnell Kontakt und bekommt das sichere Gefühl, aufgenommen zu sein.


Die Eindrücke von Besime (Kosovo), Yasemin (Türkei), Sebastian (Schweiz) und Eliane (Schweiz)

Als wir aus der obligatorischen Schule gekommen sind, haben wir keine Lehrstelle gefunden. So haben wir keine sichere Zukunft und wenn man einfach arbeiten geht, wird man nur herumgeschoben. Sie behalten einen nur so lange, bis man die Drecksarbeit getan hat. Dann ist man wieder arbeitslos und man hat wieder nichts. Auch wegen unseren Noten, unserem Verhalten in der Schule und dem Zeugnis bekommen wir oft keine Lehrstelle, weil die Lehrmeister uns nicht glauben, dass wir es wirklich wollen und uns verändert haben. Damit haben wir unsere ganze Zukunft verbockt. Wir bereuen, dass es so weit gekommen ist, Man hat den Eindruck, wir seien für eine Lehrstelle nicht fähig. Dabei geben wir uns Mühe und sind wirklich motiviert. Hier im Jugendprogramm können wir jetzt beweisen, dass wir es wirklich wollen und dass auch wir etwas können. Von den Lehrerinnen und Betreuern werden wir sehr unterstützt. Dank den vielen Schnuppereinsätzen haben wir grosse Chancen, eine Lehrstelle zu finden. Dann haben wir endlich für unsere Zukunft etwas in der Hand und später eine feste Arbeit. Die Ausländer haben in der Schweiz die Möglichkeit, aus ihrem Leben etwas zu machen, was sie in ihren Heimatländern nicht haben. Dort haben vielleicht nicht mal die Eltern Arbeitsstellen und haben dadurch nicht mal Geld, um Essen zu kaufen. Sie bekommen ihre Löhne nie rechtzeitig und haben Angst, dass sie nicht mal ihre Familien ernähren können. Das ist keine Sicherheit für sie. Wir können froh sein, dass wir hier sind, gute Löhne bekommen und eine Chance haben, eine Lehrstelle oder einen sicheren Arbeitsplatz zu bekommen. Das gibt uns die Sicherheit, etwas zu haben.


Ennes (Türkei) fühlt sich dank Freunden sicher

Ich machte mit meinen Freunden in der Stadt ab. Als ich dort war, kam eine Gruppe auf mich zu und probierte, mir Angst zu machen. Da war ich unsicher. Als meine Kollegen dann sahen, dass ich mit ihnen Stress hatte, eilten sie sofort heran. Da fühlte ich mich sofort sicher. Die andere Gruppe sah dann ein, dass sie unterlegen war. Dann gingen sie weg.


Erdals (Türkei) Sicherheitsempfinden

Ich fühle mich sicher bei meiner Familie und bei Freunden. Wenn ich mit ihnen etwas unternehme, fühle ich mich sicher. Vor allem fühle ich mich sicher, weil ich stark bin und stärker und stärker werde. Noch sicherer würde ich mich fühlen, wenn ich eine Lehrstelle hätte.

Unsicher fühle ich mich draussen bei Menschen, die ich nicht kenne.

Beim Zahnarzt fühle ich mich auch unsicher, denn ich weiss nicht, ob es wehtut oder nicht.


Jessica (Schweiz) und ihre Angst vor dem Schnuppereinsatz


Wenn ich meinen Schnuppereinsatz in einer für mich neuen Firma beginne, habe ich das Gefühl, als würde mir das Herz jeden Augenblick herausspringen. Das liegt hauptsächlich an der Tatsache, dass ich mich wieder neuen Leuten und wieder von meiner besten Seite zeigen muss. Jedes Mal, bevor ich durch die Tür trete, hoffe ich inständig, dass ich vom Verhalten her in die Firma passe. Um mich von dieser besten Seite zeigen zu können, benehme ich mich freundlich, hilfsbereit, pünktlich und vor allem interessiert und motiviert. Dazu frage ich, wenn ich den Beruf noch nicht kenne, wie was funktioniert und wieso ich das so machen muss. Auch das Begrüssen ist sehr wichtig und mit den Angestellten zu reden und sich nicht fernzuhalten. Am Ende des Schnuppereinsatzes ist man gespannt auf das Gespräch, ob man vielleicht eine Chance hat oder wie man war.

Was meint der Chef, will er, dass man nach ein paar Wochen wiederkommt, um genauer zu schauen und zu beobachten?


Doris (Serbien-Montenegro) und Gizem (Türkei) über die Angst vor dem Unbekannten

Nach einem harten Schnuppereinsatz sass ich im Zug und dachte über meinen ersten Tag bei der Firma X nach. Es war ein unwirkliches Gefühl, mich in dieser ganz neuen Umgebung zurechtzufinden. Ich fühlte mich sehr erleichtert, dass ich diesen ersten Tag nun endlich hinter mir hatte. Es war zwar ein sehr schöner Tag gewesen, aber die Unsicherheit, etwas falsch zu machen, begleitete mich den ganzen Tag über.

Als ich am Bahnhof ankam, musste ich durch die Unterführung. Normalerweise begebe ich mich abends um diese Zeit nie dorthin, weil ich mich dort unten sehr unsicher fühle.

Und ausgerechnet an diesem Abend liefen mir zwei unbekannte Männer hinterher und riefen mir vulgäre Sprüche zu. Da auch noch nirgendwo ein Security-Beamter, geschweige denn irgendjemand zu sehen war, kroch so langsam die Panik, die ich die ganze Zeit über versuchte zu unterdrücken, in mir hoch. Ich wollte einfach losrennen, aber ich dachte mir, dass das vielleicht provozierend bei denen ankommen würde. Also lief ich einfach so schnell wie möglich, ohne dass es von ihnen falsch verstanden werden könnte.

Die ganze Zeit über wagte ich es nicht einmal, einen einzigen Blick über die Schulter zu werfen. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen, als ich am Fusse der Treppe ankam. Mehrere Stufen auf einmal nehmend, hastete ich zu meinem Bus, der gerade angehalten hatte.

Als ich im Bus sass, traute ich mich, einen Blick in diese Richtung zu riskieren. Aber sie waren weg. Dann dachte ich, dass sie vielleicht auch im Bus waren. Sofort schaute ich um mich herum, aber auch im Bus waren sie nicht. Endlich war ich erleichtert.

Von da an bin ich immer unsicher, wenn ich diese Unterführung passieren muss – egal, ob tagsüber oder nachts!


Wo sich Henok (Eritrea), Ferhat (Türkei), Roger (Schweiz) und Furkan (Türkei) sicher und wo unsicher fühlen

Ich fühle mich zu Hause und bei meinen Freunden am sichersten. Meine Familie kenne ich schon mein ganzes Leben und bei ihnen fühle ich mich geborgen. Bei meinen Freunden fühle ich mich sicher, weil ich ihnen vertraue und sie mir auch. Sie halten immer zu mir und ich auch zu ihnen. Sicher fühle ich mich auch, wenn ich eine Lehre habe und unabhängig von anderen Leuten bin. Das ermöglicht mir eine sichere Zukunft und mein Leben hat einen Sinn. Ohne Lehrstelle können die Arbeitgeber mit uns machen, was sie wollen, und dann ist man wieder arbeitslos.

Unsicher fühle ich mich an Orten, wo ich niemanden kenne und alles neu ist. Oder wenn ich Personen sehe, die mich nicht mögen. An Partys fühle ich mich manchmal auch unsicher, wenn andere Leute besoffen und aggressiv sind. Unsicher fühle ich mich auch, wenn ich arbeitslos bin. Ich möchte unabhängig von anderen Leuten sein. Wenn ich arbeitslos bin, fühle ich mich wertlos, nutzlos und abhängig von anderen Leuten.


Dusan (Serbien-Montenegro) unterscheidet zwischen der körperlichen und der seelischen Sicherheit

Sicherheit gibt es überall. Stahlgitter an den Wänden, Airbags in den Autos oder bestimmte Kleidung gegen die Kälte und noch vieles mehr.

Sicherheit ist eines der wichtigsten Dinge auf dieser Welt, die uns Menschen am Leben erhalten. Sicherheit braucht es nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Körperliche Sicherheit braucht es, damit wir gesund und munter auf den Beinen stehen können. Die psychische Sicherheit wird gebraucht, um einen klaren Kopf zu behalten. Zum Beispiel braucht man Freunde, damit man nicht vor Einsamkeit durchdreht oder unüberlegt handelt.

Am Arbeitsplatz ist die körperliche Sicherheit wichtig. Auf der Baustelle trägt z.B. jeder Arbeiter einen Helm, falls ihm etwas auf dem Kopf fällt. Geschützt erleidet er keine grossen Schäden. Auch in der Firma tragen die Arbeiter z.B. Stahlkappenschuhe, damit sie sich nicht den Fuss verletzen, wenn eine Maschine auf sie hinunterfällt.

Die wichtigste körperliche Sicherheit ist die Polizei. Sie schützt uns und ihre Schutzwesten schützen sie. Der Feuerwehrmann schützt die Menschen vor dem Feuer und sein Anzug schützt ihn vor Rauch und Feuer. Der Arzt schützt die Menschen vor Krankheiten und vor dem Tod. Das Militär ist zuständig für die Sicherheit des Landes und des Volkes.

Psychische Sicherheit ist z.B. in der Freizeit wichtig. Das ist zwar ein anderes Thema, aber in ihr wird unsere psychische Sicherheit gestaltet. Beim Arbeitsplatz im Büro ist es auch wichtig für die mentale Sicherheit, wegen der Konzentration, mit der wir nicht spassen dürfen. Für die Sicherheit der Gedanken und der Konzentration sind Psychologen und Psychiater zuständig. Die helfen uns, einen klaren Kopf zu haben, und schaffen mit Worten Ordnung in unseren Gedanken. Ohne Sicherheit würde hier nichts mehr normal laufen.