In der Klasse trifft sich die Welt




Die Jugendlichen der Integrationsklasse an der kantonalen Berufsbildungsschule für Brückenangebote in Baden leben erst seit einigen Jahren in der Schweiz. Geprägt von ihren Erfahrungen aus den Heimatländern und der Schweiz bringen sie zum Ausdruck, was für sie Sicherheit bedeutet.

Erwartungsvoll wagen sie einen Blick in die Zukunft.


Pro – Kontra

In Kuba ist es anders als in der Schweiz. Man hat dort viel Kriminalität und Taschendiebe. In der Schweiz gibt es fast keine Taschendiebe, weil die Kontrolle besser ist, und man bekommt sofort Hilfe, wenn man sie braucht. In der Schweiz ist es so sauber, dass man sich wohlfühlt. Obwohl diese Sauberkeit in Kuba fehlt, hat man mehr Freiheiten dort. Es gibt nicht so strenge Regeln wie in der Schweiz. Dafür ist es gefährlich in Kuba, allein in der Nacht herumzulaufen. Jedes Land hat seine eigenen positiven und negativen Seiten und Auswirkungen. Jessy, 18, Kuba


Ich fühle mich sicher hier

Für mich ist Sicherheit, dass ich mir keine Sorgen machen muss um meine Gesundheit, da ich in der Schweiz jederzeit einen Arzttermin vereinbaren kann. Ich kann mich darauf verlassen, dass wenn ich Hilfe benötige, ich diese auch bekomme. Dies gilt auch bei den Themen wie Diebstahl und Terroristen. Ich fühle mich auch sicher, weil die öffentlichen Verkehrsmittel zuverlässig sind. Man muss sich auch um Geld und Arbeit keine Sorgen machen, weil die Löhne gut genug sind zum Leben und es einfacher ist, hier einen Job zu finden.

Sicherheit ist, wenn man ohne Krieg und Gewalt leben kann. Ich finde die Schweiz ist ein sicherer Ort zum Leben, auch weil es viele Sprachen gibt, die man im Alltag braucht, und das ist für die Integration der Leute viel einfacher.

Pedro, 19, Portugal


Sicherheit ist...
  • Nachts im Ausgang keine Angst zu haben
  • Keine Kriege und Konflikte zu haben
Kennesha, 16, Jamaika


Sicherheit ist sehr wichtig

Wir müssen selbst für unsere Sicherheit schauen. Denn viele Länder sind nicht sicher. Viele Leute sterben. Sie wissen nicht, ob sie im eigenen Haus sicher sind. Sie können sich nirgends sicher fühlen. Die Sicherheit ist wichtig für alles, was man machen will. Wenn man eine Weltreise macht, hofft man, dass man da sicher ist. Dass nicht etwas passiert. Wenn man einen Babysitter für das Kind besorgt, schaut man auch, dass es in sicheren Händen ist.

Wir wollen, dass sie sicher sind, nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene.

Besime, 17, Kosovo


Sicherheit ist...
  • Wenn ich den Bus oder Zug verpasse, dann ist ein anderer verfügbar.
  • Wenn ich arbeitslos wäre, müsste ich nicht draussen schlafen.
  • Für meine Zukunft in der Schweiz möchte ich die anderen Sprachen lernen, weil ich so viele Chancen für den Beruf bekomme. In der Schweiz sollte man Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch können. Aber am meisten können die Leute Englisch sprechen. Ich bin froh, dass ich die Sicherheit für eine Fremdsprache habe, weil meine Eltern, die Schule, die Leute am Arbeitsplatz und die Kollegen mir helfen. Ich kann jeden Tag zum Bahnhof oder auf der Strasse mit anderen Leuten reden oder etwas bei Coop oder Migros einkaufen
  • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Phonphimon, 18, Thailand


Erster Ausgang im neuen Jahr

Ich bin 18 Jahre alt und lebe seit einem Jahr in der Schweiz. Es war das erste Mal im neuen Jahr, dass ich ausgehen durfte. Ich hatte Angst vor diesem Tag, wegen all der Betrunkenen auf der Strasse. Als das Feuerwerk fertig war, war es ungefähr zwei Uhr. Es gab viele Leute, die nach Hause zurückgehen wollten, und ich musste lange auf den Zug warten, weil der Zug zu spät kam. Ich bin in den Zug eingestiegen und dann habe ich den Bus genommen. Im Bus waren viele Leute. Ich hatte keinen Platz zum Sitzen. Ich habe mich gefühlt wie Thunfisch in der Dose. Als ich nach Hause kam, habe ich mich gefreut, denn wegen der SBB und des Postautos kam ich sicher nach Hause. Jetzt macht es mir keine Angst mehr, in der Nacht draussen zu sein.

Phonphimon, 18, Thailand; Besime, 17, Kosovo


Sicheres Zuhause

Für den Dorfbewohner in Kosovo ist es nicht sicher, in den grossen Städten wie Pristina, Prizren und Gilan zu leben. Es gibt zu viele Probleme: Messerstecherei, Diebstähle, Gewalt usw. Aber der Grund, warum das so ist, ist, weil fast alle Jugendlichen keine Ausbildung haben. Die gehen auf die Strassen und spielen mit Messern und Waffen. In Pristina ist es sehr einfach, eine Waffe zu kaufen. Aber in der Schweiz ist es anders, weil die Schweiz die Jugendlichen unterstützt. Die Schweizer geben den Jugendlichen eine sicheres Zuhause und eine Zukunft.

Etrit, 18, Kosovo


In Brasilien ist es anders

Die Kriminalität in Brasilien ist ein grosses Problem. Man muss diese Situation nicht mit einem Krieg vergleichen, aber man kann sich auch nicht ganz sicher fühlen. In der Schweiz kann man ohne grosse Sorgen z.B. auf dem Weg in den Ausgang in der Nacht spazieren gehen. Es gibt überall in der Welt Verbrechen und Diebe, aber die Kontrolle der Schweiz darüber gefällt mir sehr. Die schweizerische Sicherheit funktioniert und bringt eine gute Leistung für die Bevölkerung.

Klaiver, 17, Brasilien


Mich stört die Korruption

Peru hat viele Probleme mit Drogen, vor allem Kokain. Man kann einander umbringen wegen Kokain. Gestern ist in der Zeitung gestanden, dass eine Schweizerin aus Peru 3,5 kg Kokain mitgebracht hat. Was mich am meisten stört, ist die Korruption. In Peru gibt es so viel Korruption und diese Korruption kommt leider von den Menschen, die am meisten Geld haben (Politiker). Überall auf der Welt gibt es sicher auch Korruption, aber in der Schweiz ist man sicher, dass dieses Geld, welches man für die Versicherung bezahlen muss, gültig und sauber ist.

Frank, 28, Peru


Die Schweiz – das Land der Hoffnung

Wir kommen aus verschiedenen exjugoslawischen Ländern: Bosnien- Herzegowina, Mazedonien und Kosovo. Fast in jedem von diesen Ländern gab es früher einen Krieg. Und jetzt spürt man immer noch Nachkriegsfolgen sowie nationalistische, politische und verschiedene religiöse Probleme. Die grössten Probleme sind die Unsicherheit in der Schule und auf der Strasse. Die Schweiz als Land der Hoffnung hat uns allen eine Möglichkeit geboten, ein neues Leben anzufangen. Ein neues Leben, Menschen und die Kultur haben uns geholfen und überzeugt, dass wir auch zu ihnen gehören. Sie haben uns gezeigt, dass das Leben schön und angenehm sein kann.

Wir haben auch eine Chance bekommen, hier eine Ausbildung zu machen. Später möchten wir hier arbeiten und ein normales Leben führen.

Zlatan, 19, Bosnien; Besime, 17, Mazedonien; Amire, 22, Kosovo; Arlinde, 17, Albanien


Frau Gmerek, Teamleiterin des Integrationsprogramms, im Interview

Woher kommt die Idee der «Integrationsklasse»?

Es kamen im Schuljahr 07/08 Schüler ins Aufnahmeverfahren der Kantonsschule Berufsbildung (KSB), die absolut kein Deutsch konnten, und man hat festgestellt, dass es eine Integrationsklasse braucht. Diese Lernenden wären in einem vorhandenen schulischen Angebot überfordert gewesen.


Welche Sicherheit bietet das Integrationsprogramm?

Die Sicherheit, die deutsche Sprache zu lernen. Die Sicherheit der sozialen Integration. Und die berufliche Integration.

Haben Sie Erfolg mit dem Programm?

Ihr seid ein gutes Beispiel, dass wir erfolgreich sind. Auch die drei Frauen von der Migrationszeitung, die heute hier waren, haben euch ganz fest gelobt und fanden euch eine ganz tolle Klasse.


Gibt es auch Probleme?

Es ist am Anfang vom Schuljahr immer schwierig, die Gruppe zu bilden und zu festigen. Dies ist aber nötig, denn erst in der Gruppe seid ihr stark und könnt ihr euch entwickeln.

Rosol, 18, Irak, und Joanah, 19, Philippinen


Nicole fasst ihre Eindrücke in einem Gedicht zusammen

Der rote Pass

Was ist so besonders daran?
Es geht nur um eine Farbe, nichts weiter.
Aber warum haben ihn nur wenige?
«N» ist ein Buchstabe aus dem Alphabet.
Dennoch ein riesiges Drama,
wenn man so abgestempelt wird.
Ein Gefangener ist der mit «N».
In Ketten gelegt und man wird nicht frei sein,
bis «MR BIG» es zulässt.

«MR BIG?» Wer ist denn «MR BIG»?
Es ist dieser Mann, diese Frau.
Wer sie auch sind,
die entscheiden alles für dich,
egal, ob man es will oder nicht.

«F» ist nicht unberechenbar.
Man hat sich endlich niedergelassen in diesem fremden Land,
einen guten Job gefunden, ein sicheres Zuhause, eine Familie.
Plötzlich entscheidet «MR BIG», dass du abgeschoben wirst,
und wieder verlierst du alles.

Ist das nicht schrecklich, in einem Land zu leben,
ohne zu wissen, ob du nächstes Jahr noch da sein wirst?
Das passiert, wenn du «B» bist.
Wie ein Nomade, immer die Zelte abrechen.

Du bist ein grosser Glückspilz, wenn du «C» hast.
Du darfst für immer bleiben,
ein Haus kaufen, eine Firma gründen,
was immer du willst, «MR BIG» ist einverstanden.
Leider ist es «MR BIG» scheissegal, was du denkst.
Es heisst «doch», dass jede Person das Recht zu stimmen hat.
Nicht, wenn du «C» hast.

Hey, ihr da draussen.
Wir lassen uns nicht unterkriegen,
und von ganzem Herzen
danken wir «MR BIG», dass er uns
mit einem zweiten Leben gesegnet hat.

Nicole, 19, Auslandschweizerin, in Indonesien aufgewachsen