PFADE DURCH DEN DSCHUNGEL DER FRÜHEN FÖRDERUNG![]() ![]() Wer regelt was? Die vorschulische Stufe fällt auf Bundesebene nicht unter den Grundschulunterricht. Im Gegensatz zur Schule ist sie auf nationaler Ebene nicht obligatorisch, da sie nicht in der Bundesverfassung, sondern in den kantonalen Gesetzen geregelt ist. Jeder Kanton hat daher eigene Vorschulbestimmungen und die Mehrheit der Kantone betrachtet die Vorschule als Teil der öffentlichen Schule und sie wird somit in den Schulgesetzen geregelt. Wer kümmert sich worum? Auf nationaler Ebene sind unterschiedliche Stellen in Familienfragen und damit in den Bereich frühe Förderung involviert: So ist das Geschäftsfeld Familie, Generationen und Gesellschaft (FGG) des Bundesamtes für Sozialversicherung für die Koordination zuständig, aber im Rahmen der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die eidgenössische Migrationskommission (EMK) und die eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) sind ebenfalls im Bereich frühe Förderung engagiert. In den Kantonen sind die Zuständigkeiten unterschiedlich verteilt: In einigen Kantonen ist die Bildungsdirektion für die Vorschulerziehung zuständig, in anderen sind es die Sozialdepartemente der Gemeinden. Auf interkantonaler Ebene liegt die primäre Verantwortung für die Koordination der Tagesstrukturen für Kinder zwischen null und vier Jahren bei der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und -direktoren (SODK). Was geschieht wo? Die Schweizerische Konferenz der kantonalen, regionalen und kommunalen Integrationsdelegierten KID versucht, die noch mangelhafte Koordination und den Austausch zwischen den einzelnen Projekten und Stufen zu verbessern. Anfang 2008 hatte auch ihr Vernetzungs- treffen die frühe Förderung zum Thema. Einen systematischen Überblick über die zahlreichen Initiativen zur frühen Förderung besitzt gegenwärtig wohl niemand. Verschiedene Projekte zur Erfassung stehen inzwischen aber kurz vor dem Abschluss. Die Grundlagenstudie zur frühkindlichen Bildung in der Schweiz im Auftrag der Schweizerischen Unesco-Kommission oder die Internetplattform des Seco zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Bericht zur Praxis der frühen Förderung im Auftrag des EKM erarbeiten entsprechende Überblicke. Bis diese Projekte zur Verfügung stehen, soll die oben stehende Karte der Schweiz eine erste Annäherung bieten. Kindergarten – Ecole enfantine – Scuola dell’infanzia In der Deutschschweiz geht der grösste Teil der Kinder im Vorschulalter in den Kindergarten, in der Romandie in die école enfantine und im Tessin in die scuola dell’infanzia. Doch sonst unterscheiden sich die Vorschuleinrichtungen der verschiedenen Landesteile erheblich voneinander, nicht zuletzt weil sie schon aus unterschiedlichen Gründen und durch private Initiativen entstanden. Namentlich der Kindergarten in der deutschsprachigen Schweiz grenzte sich lange von der Schule ab. In seinen Anfängen diente er vor allem als «Bewahrungsanstalt», während die Erziehung traditionell im Schoss der (deutschsprachigen) Familie angesiedelt wurde. Später wurde der Kindergarten als Lebens-, Spiel- und Erfahrungsraum verstanden, der die Individualität des Kindes fördern sollte. Lernziele hingegen gab es nicht oder nur in sehr allgemeinem Rahmen. Erst in den letzten Jahren hat sich die Tendenz verstärkt, Vorschule und die ersten Primarschuljahre als Einheit zu betrachten, wo Kinder in ihren Kompetenzen, Fertigkeiten und ihrer Kreativität schrittweise gefördert werden. Anders bei der école enfantine: In der Romandie soll die Vorschule das Kind traditionell gezielt auf die Schule vorbereiten. Daher stand in der école enfantine die Förderung der kognitiven Entwicklung, später auch einzelner Persönlichkeitsbereiche und ein stimulierendes Milieu für das Kind im Vordergrund. Im Tessin hingegen wurde die scuola dell’infanzia im 19. Jahrhundert als Betreuungsort für Kinder von Fabrikarbeiterinnen geschaffen. Bis heute werden Kinder schon ab drei Jahren aufgenommen und können die scuola dell’infanzia daher während dreier Jahre besuchen. Die Vorstellung, dass Kinder das Lernen in grösseren Gruppen brauchen und dass ihre Eingliederung in die Gesellschaft auch Aufgabe des Staates ist, liegt bis heute der scuola dell’infanzia zugrunde. Im Unterschied zum Kindergarten der Deutschschweiz und der école enfantine der Romandie deckt die scuola dell’infanzia auch einen grossen Teil der familienergänzenden Kinderbetreuung ab. | ||||||||||||||||||||||||||||||||








