Die Jugendseiten der MIX ermöglichen Schulklassen aus
den beteiligten Kantonen, ihre eigenen Gedanken und Erfahrungen zum Thema Integration einem breiten
Publikum zu präsentieren. Bei dieser anspruchsvollen Arbeit werden die Schülerinnen und Schüler sowie
auch das Lehrpersonal von der MIX-Redaktion unterstützt und beraten. DIE KLASSE MIT VIELEN GESCHICHTEN UND GESICHTERN![]() Die 9 Schülerinnen und Schüler der Klasse 10j des Klingentalschulhauses hoffen, nach dem einjährigen Brückenangebot eine Lehrstelle zu finden. Die Zukunft ist für sie noch offen. Wie die Vergangenheit sie geprägt hat, machen sie in Interviews mit ihren Eltern und Geschichten aus ihrem Leben sichtbar. Baris lebt mit seiner Familie seit einigen Monaten in Basel. Der junge Türke berichtet von seinen frühen Kindergarten-erfahrungen in Deutschland, wo er auf die Welt kam. Der Umzug in die Schweiz war ein Wechselbad der Gefühle. Ich
bin froh, dass ich bereits mit drei Jahren in den Kindergarten gehen konnte. So hatte ich die Chance,
früh Deutsch zu lernen. Davor habe ich meine Muttersprache Türkisch gelernt, für mich eine sehr leicht
zu verstehende Sprache. Am Anfang habe ich es schwer gehabt, Deutsch zu lernen und zu sprechen, aber
nach einer Weile lief es immer besser. Verstehen konnte ich sehr gut, nur mit dem Sprechen hatte ich
Mühe. Mein Bruder hat mich beim Lernen unterstützt und war eine grosse Hilfe. Dass ich so früh in den
Kindergarten konnte, ist wohl ein Glücksfall. Beim Spielen lernt man sehr einfach Deutsch und nun habe
ich in der Schule weniger Probleme. Seit ein paar Monaten
leben wir nun in Basel. Auch wenn der Umzug schwer für mich war, finde ich die Schule hier viel besser
als in Deutschland, denn hier verstehe ich alles besser. Probleme machen mir nur die Fremdwörter. Dawran war sechs Jahre alt, als seine Eltern mit ihm aus dem Irak in die Schweiz kamen. Er berichtet von seinen vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen. Als
ich in die Schweiz kam, war alles zu neu und zu fremd für mich. Ich hatte manchmal Angst – Angst davor,
nicht verstanden zu werden. Ich sprach ja auch kein Deutsch. Zu Hause haben wir Kurdisch und Arabisch
gesprochen. Schritt für Schritt lernte ich, mich hier sicher zu fühlen. Dass zum Beispiel mein Bruder
sich mit der Polizei verständigen konnte, gab mir ein Gefühl der Sicherheit. Irgendwie ging dadurch
auch die Angst etwas weg. Als ich in den Kindergarten
kam, konnte ich endlich die deutsche Sprache ausführlich lernen. Das hat meinen schulischen Werdegang
sehr stark beeinflusst. Ohne diese Hilfe hätte ich keine guten Leistungen erbringen können. In Irak
hätten wir diese Hilfe nie erhalten. Das Land war mehr mit seinen politischen Problemen beschäftigt
als damit, seinen Bürgern solche Sachen anzubieten. Diana kam vor acht Jahren aus Südamerika in die kalte Schweiz. Eine lange Reise kurz erzählt. Meine
Familie kommt aus Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Mein Vater lebte schon sechs Monate in der Schweiz
und arbeitete auf einer Baustelle, als meine Mutter und ich in die Schweiz kamen. Ich
war damals acht Jahre alt. Wir kamen im Winter, im Dezember 2000, an. Als ich aus dem Flugzeug stieg,
war alles weiss. Es lag Schnee, was für mich neu war, da man Winter in meinem Land nicht kennt. Ich
kam nicht gleich in die Schule. Nach einigen Monaten, ich glaube, das war nach den Sommerferien, ging
ich erst in die Schule, in die Fremdspracheklasse. Ich konnte kein Wort auf Deutsch sprechen. Es war
sehr schwierig für mich, etwas zu verstehen. Ich wollte nicht in die Klasse gehen. Ich hatte Angst,
ich heulte jeden Tag. Es war nicht toll für mich. Ich hatte das Gefühl, dass meine Eltern mich dort
für immer allein lassen würden, aber es war nicht so. Mit der Zeit lernte und verstand ich ein wenig.
Meine ersten Wörter waren: «Morgen keine Schule.» Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran. Und jetzt fühle
ich mich sehr wohl in der Schweiz. Nicht nur ich hatte am Anfang sprachliche Schwierigkeiten, sondern
auch meine Mutter. Sie lernte an ihrem Arbeitsplatz mit ihrer Chefin ein wenig Deutsch. Für ihre Arbeit
brauchte sie die Sprache wenig. Im Jahre 2007 besuchte sie dann ein Jahr lang einen Deutschkurs. Das
will sie jetzt wieder machen. Auch meine Mutter hat sich jetzt an unsere neue Situation gewöhnt. Hier
geboren und bilingue aufgewachsen. Für Lirodona ist Sprache keine Einbahnstrasse. Ich
komme ursprünglich aus dem Kosovo, bin jedoch in der Schweiz geboren. Hier habe ich meine ganze schulische
Laufbahn verbracht. Die deutsche Sprache habe ich schnell gelernt. Wahrscheinlich auch deswegen, weil
ich im Kindergarten war und dort nur Deutsch gesprochen wurde. Das hat mich geprägt. Ich fand es gut,
dass meine Eltern Wert darauf legten, dass ich gut Deutsch, aber auch meine Muttersprache Albanisch
lerne. Ich konnte früh gut Deutsch und hatte deshalb
in der Schule keine Probleme mit der Verständigung. Wäre ich nicht hier geboren und nicht in den Kindergarten
gegangen, sähe dies heute vielleicht anders aus. Miguel ist binational, bedauert aber, dass er die Sprache seines Vaters nicht richtig lernen konnte. Mein
Vater ist Spanier, meine Mutter Schweizerin. Zu Hause habe ich fast nur Schweizerdeutsch geredet. Mir
hat der Kontakt zu meinem Vater gefehlt, er ist nämlich, als ich sieben Jahre alt war, nach Spanien
gezogen. Von da an bin ich jede Ferien zu ihm nach Spanien geflogen, um ihn dort zu besuchen. Zu Hause
habe ich so natürlich mehr Deutsch geredet als Spanisch, deshalb kann ich Deutsch auch viel besser als
Spanisch. Es war gut, dass ich mit der deutschen Sprache
aufgewachsen bin. Es hatte einen positiven Einfluss auf meinen schulischen Werdegang. Damit habe ich
es sicher einfacher als einige meiner fremdsprachigen Klassenkameraden. Andererseits sollte man, wenn
man schon zweisprachige Eltern hat, beide Sprachen gut beherrschen. Daher finde ich es schade, dass
ich wenig Chancen hatte, Spanisch zu lernen. Fragen
an die Mütter Véronique kam vor 11 Jahren in die Schweiz. Zwei Jahre lang lebte sie bei Verwandten in Kamerun ohne Mutter. Von ihr wollte sie deshalb wissen, warum sie sie in Afrika zurückliess. Warum
bist du in die Schweiz gegangen? Ich wollte hier
ein neues Leben beginnen und eine neue Welt kennen lernen. Welche
Schwierigkeiten hattest du anfangs mit der Sprache? Am
Anfang hatte ich grosse Schwierigkeiten mit der Arbeitssuche, denn ich konnte nicht mit den Menschen
kommunizieren. Ich sprach noch kein Deutsch. Und wenn man die Sprache nicht beherrscht, kommt man irgendwie
nicht vom Fleck. Wie
war die Situation, als du einen Schweizer geheiratet hast? Ich
war überglücklich und froh. Aber auch mit ihm hatte ich Schwierigkeiten wegen der Sprache. Er sprach
ja Deutsch und ich Franzö-sisch. Und er wollte kein Französisch lernen. Warum
hattest du mich in Kamerun zurückgelassen? Es
war zu riskant, dich mitzunehmen, denn ich wusste nicht, was mich hier in der Schweiz erwartet. Ich
kannte die Schweiz überhaupt nicht. Es war vernünftiger, vorerst mal allein zu gehen. Wie
war die Erfahrung für dich, als du mich in die Schweiz holtest? Ich
hatte Angst, dass ich dich nicht hier behalten konnte. Es war schwer für mich, weil die Schweiz mich
in eine schwierige Situation brachte. Gleich nach zwei Tagen, als du hier warst, musste ich deine Papiere
machen. Wenn die Papiere innerhalb einer Woche nicht da gewesen wären, hätte man dich wieder zurück
nach Kamerun geschickt. Vor
fünf Jahren kam die Mutter der 18-jährigen E. aus Zentralanatolien mit ihren drei Kindern in die Schweiz.
Sie erhoffte sich hier das Paradies. Die Ernüchterung liess nicht auf sich warten. Wie
war es am Anfang, als du in die Schweiz gekommen bist? Es
war nicht einfach. Wir waren in der Türkei, während dein Vater seit über 30 Jahren hier lebte. Und ich
wollte mit meinen drei Kindern zu ihm gehen. Ich wollte mit euch eine bessere Zukunft haben. War
die Schweiz so, wie du sie dir vorgestellt hast? Nein,
ich habe es mir anders vorgestellt. Es ist schwer, das genau zu erklären. Aber ich habe mir Europa und
die Schweiz wie im Paradies vorgestellt. Ohne Probleme und ohne Sorgen, doch es gibt kein Leben ohne
Probleme. Schwierig war vor allen die Sprache für mich. Hast
du es bereut, dass du hierher gekommen bist? Nein,
auch wenn ich die Türkei sehr vermisse. Es wäre nur besser gewesen, wenn wir früher in die Schweiz gekommen
wären. Für euch Kinder wäre es vor allem besser gewesen. Es ist schwierig, die Sprache mit 13 zu lernen,
wie du es tun musstest. Chris war zwei Jahre alt, als er und seine Eltern aus Thailand in die Schweiz gezogen sind. Warum seine Eltern diesen Schritt gemacht haben, wollte Chris von seiner Mutter wissen. Warum
bist du in die Schweiz gekommen? Weil ich und
dein Vater damals dachten, dass dir diese Umgebung guttun würde. Wir wollten, dass du hier in die Schule
gehst. Zudem waren wir überzeugt, dass wir eine Abwechslung von dem Grossstadtleben in Thailand brauchten. Wenn
du dich nochmals entscheiden müsstest, würdest du nochmals hierherziehen? Ja,
mir gefällt es hier sehr gut. Und das Klima ist perfekt und nicht zu tropisch. Wie
lange hast du gebraucht, dich auf die schweizerischen Lebensgewohnheiten umzustellen? Nicht
sehr lange. Hier ist es nicht sehr viel anders als in Bangkok. Ausser der Sprache natürlich. Was
gefällt dir in der Schweiz und was nicht? Mir
gefallen die Städte, das Schulsystem, die schönen Landschaften und die freundlichen Menschen. Ausnahmen
gibt es überall. Man kann sich hier nicht beklagen, klar gibts kleine Dinge, die einem nicht gefallen,
aber die sind nicht nennenswert. Wie
hast du dich am Anfang mit den Leuten hier verständigt? Ich
habe viele Freunde und auch Verwandte hier. Aber ich habe mich hauptsächlich mit Englisch verständigt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||







