DIE MUTTERSPRACHE ALS BASIS FÜR DIE ZWEITSPRACHE




Begegnung auf dem Weg zur Integration: Treffpunkt FamiPlus in Biel. Foto: z.V.g.


FamiPlus ist ein mehrsprachiger offener Treffpunkt in Biel für Betreuungspersonen und ihre Kinder. Neben einer ganzen Reihe von Angeboten, die zu neuen Kontakten und aus der Isolation
führen können, bietet er auch fremdsprachige Spielgruppen mit klingenden Namen wie Pepe Grillo und Simon Says an.

Getragen wird FamiPlus von einem Verein mit inzwischen über 200 Mitgliedern. Bieler und Bielerinnen mit Kindern finden bei Famiplus u.a. einen offenen Treffpunkt mit Cafeteria, einen Hütedienst, eine Kinderkleiderbörse, eine Bibliothek, verschiedene Veranstaltungen und die Mütter nicht zuletzt die Möglichkeit, zu arbeiten und sich aktiv zu engagieren. Ermöglicht wird das durch viel ehrenamtliches Engagement, Mitgliederbeiträge, Spenden und mit einem finanziellen Zustupf der Stadt Biel.

Eine Frau, die sich mit viel Engagement für FamiPlus einsetzt, ist Chantal Chételat Komagata, ehemalige Co-Präsidentin des Vereins und Verantwortliche für die fremdsprachigen Spielgruppen.


Integration durch den Bezug zu den eigenen Wurzeln

Sprachforschungen belegen: Je besser jemand seine Muttersprache beherrscht, desto schneller und effizienter erlernt er eine Zweitsprache. In der Spielgruppe sollen Kinder die Möglichkeit erhalten, in ihrer Muttersprache zu spielen und sich zu sozialisieren. Dabei soll ihre Sprachentwicklung spielerisch gefördert werden.

In den Spielgruppen von FamiPlus sind aber auch die Eltern mit von der Partie. Ihnen wird die Möglichkeit geboten, mit anderen gleichsprachigen Eltern Kontakte zu knüpfen und ihre Kinder im Spracherwerb zu stimulieren. Die Kommunikation und das Verständnis zwischen Eltern und Kindern werden durch die gemeinsame Sprache gestärkt. Nicht zuletzt, betont Chantal Chételat Komagata, bilden die Spielgruppen ein Sprungbrett für eine erfolgreiche Integration – der Eltern wie der Kinder. Die Familien besuchen auch andere Angebote von FamiPlus und knüpfen Kontakte.

Chantal Chételat Komagata weiss, wovon sie spricht: Sie hat ihre eigenen Kinder zu einem guten Teil in Japan grossgezogen und meint im Rückblick, ein Angebot wie die Spielgruppen von FamiPlus hätte ihr und ihren Kindern die Integration in eine oft sehr andersartige Gesellschaft erleichtert.


Kommunikation in der Muttersprache – ein Bedürfnis

Angefangen haben die fremdsprachigen Spielgruppen vor drei Jahren mit der Initiative für die anglofone Gruppe. Ein Jahr später ist die spanischsprachige Spielgruppe hinzugekommen. Diese hat solchen Zulauf erhalten, dass man bei FamiPlus beschloss, ein solches Angebot auch anderssprachigen Familien zugänglich zu machen.

Neu können Mütter und Kinder in den Spielgruppen von FamiPlus je nach Muttersprache zusammen arabische Lieder singen, kroatische Märchen erzählen, auf Albanisch Theater spielen, kurdische Tänze erlernen oder tamilische Gesellschafsspiele spielen.

Nora Regli


Weitere Informationen:
www.famiplus.ch




VERBESSERTE STARTCHANCEN DANK PRIMANO




Nicht alle Eltern können die Entwicklung ihrer Kinder genügend unterstützen.Foto: primo, www.a-primo.ch


Kinder aus sozial benachteiligten Familien weisen viel häufiger sprachliche und motorische Entwicklungsstörungen auf. Durch frühzeitige Förderung soll in der Stadt Bern diesen
Kindern geholfen werden.

Kinder brauchen neben Liebe, Verständnis und Geborgenheit auch vielfältige Anregungen und Erfahrungsangebote, damit sie sich gesund entwickeln können. Wissenschaft und Praxis zeigen jedoch, dass vor allem Vorschulkinder aus sozial benachteiligten Familien gehäuft Entwicklungsrückstände aufweisen. Ihre Startchancen in der Schule sowie ihre spätere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind durch die mangelnde Förderung stark gefährdet. Aufgerüttelt von wissenschaftlichen Studienergebnissen und Erfahrungen aus der Praxis, hat der Gesundheitsdienst der Stadt Bern das Pilotprojekt primano vorangetrieben, das betroffenen Kindern bis zum Kindergarteneintritt eine Reihe von Unterstützungsmassnahmen zur Verfügung stellt. Diese beinhalten Förderangebote zu Hause, in Kindertagesstätten und Spielgruppen sowie im Quartier. Schwerpunkte bilden dabei die Förderung der motorischen Fähigkeiten, der Sprachentwicklung, der Sozialkompetenz und einer gesunden Ernährungsweise.


Vier Stadtviertel dabei

Das Pilotprojekt primano beschränkt sich auf die Stadtviertel Bethlehem, Kleefeld/Weidmatt, Holligen/Brunnmatt und Wittigkofen/Murifeld. In einem ersten Schritt werden die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt. Durch gezielte Hausbesuche zeigen ihnen speziell ausgebildete Laienhelferinnen aus dem gleichen sozialen Umfeld Möglichkeiten auf, wie sie ihren Kindern Anreize schaffen können, die für ihre motorische, soziale und kognitive Entwicklung notwendig sind. Der direkte Kontakt hilft den Eltern, das neu gewonnene Wissen in ihren familiären Alltag zu integrieren. Ebenfalls werden in Spielgruppen und Kindertagesstätten mittels verschiedenen Modulen die Themen Bewegung, Ernährung, Sprache und soziale Kompetenzen sowohl auf Kinderebene wie auch in der Elternarbeit aufgegriffen. Die Vernetzung zwischen allen Beteiligten geschieht über Frühförderungsplattformen, die in bereits bestehenden Strukturen in Quartieren wie z.B. Mütterzentren oder Quartierarbeit angesiedelt sind.

Güvengül Köz Brown