FRÜHFÖRDERUNG BEGINNT MIT DER GEBURT![]() Für
Caritas Aargau beginnt Chancengleichheit ab der Geburt.Foto: keystone Caritas
Aargau setzt auf Frühförderung ab der Geburt. Ganz zentral ist
dabei die Elternbildung. Kinder und Jugendliche
aus sozial benachteiligten Familien und insbesondere jene mit Migrationshintergrund haben in der Schweiz
geringere Bildungschancen als andere Gleichaltrige. Das Schweizer Schulsystem mindert soziale Ungleichheiten
kaum. Fördermassnahmen, die erst im Schulalter einsetzen, greifen nur teilweise. Diese Interventionen
kommen zeitlich gesehen viel zu spät. Denn die Grundlagen für den späteren persönlichen und beruflichen
Erfolg werden bereits in den ersten Lebensjahren gelegt. Für Caritas Aargau beginnt die Chancengleichheit
deshalb bereits ab der Geburt. Mit verschiedenen Programmen und Projekten engagiert sich das Hilfswerk
in der Frühförderung, um die Chancengleichheit bei Kindern mit Migrationshintergrund zu gewährleisten. Modulare
Projekte Migrantinnen gebären im Durchschnitt
mehr als Schweizerinnen. Deshalb ist es wichtig, dass man diese Frauen von Anfang an begleitet, denn
oft sind sie aus Mangel an Informationen und Deutschkenntnissen mit den Vorgängen rund um Schwangerschaft
und Geburt überfordert. Caritas Aargau setzt hier an und bietet im Rahmen des Projektes Feminasana seit
sechs Jahren spezifische Geburtsvorbereitungskurse in der Muttersprache an. Die Projektleiterin Karin
Knobel betont: «Wichtig ist es, das Vertrauen der werdenden Mütter zu gewinnen, damit sie auch zu einem
späteren Zeitpunkt weitere Programme zur Frühförderung nutzen.» Zentral ist es, dass der Kontakt zur
Mütter- und Väterberatung rechtzeitig geknüpft wird und die erste Zeit nach der Geburt eine optimale
Betreuung stattfindet. Ein weiteres Modul im Projekt Feminasana sind die FemmesTische für Migrantinnen.
Eine Gastgeberin lädt jeweils 5–10 Landsfrauen zu einer Diskussionsrunde zu sich nach Hause ein. Eine
geschulte Moderatorin der Caritas Aargau zeigt einen kurzen Film und anschliessend wird darüber in der
Muttersprache diskutiert. Behandelt werden u.a. Themen wie Erziehung und gesunde Ernährung. Die gesellschaftliche
Auseinandersetzung in der Muttersprache fördert die Integration und das Verständnis für die hiesigen
Werte. Für Frauen sind solche Diskussionsrunden oft der Anstoss, Deutschkurse zu besuchen. Patenschaft
für Kinder Caritas Aargau hat auch ein spezielles
Angebot für Familien, die sich in einer schwierigen persönlichen oder finanziellen Situation befinden
und nicht mehr in der Lage sind, ihren elterlichen Pflichten optimal nachzukommen. Das Patenschaftsprojekt
«mit mir» greift hier den Eltern unter die Arme. Kinder ab drei Jahren erhalten Patinnen und Paten,
die einen Teil der Freizeit mit ihnen verbringen und gestalten. Schulstart+ – das Elternbildungsprogramm Die Erfahrungen
der Caritas zeigen, dass Eltern ein grosses Bedürfnis nach Unterstützung in Erziehungsfragen haben.
Sehr viele Eltern wissen z.B. nicht, wie hoch der Stellenwert des Spielens für die Entwicklung ihrer
Kleinkinder ist. Es fällt auf, dass sie wenig wissen über das Schulsystem und dessen Anforderungen.
Caritas Aargau plant darum das Elternbildungsprogramm Schulstart+. Dieses Programm ist so konzipiert,
dass es auf die Bedürfnisse der Eltern eingeht und die Ressourcen der Teilnehmenden anhand von anschaulichen
Alltagsbeispielen fördert. Die Eltern werden befähigt, die Kinder ihrem Alter entsprechend zu fördern
und zu unterstützen und auf den Kindergarten- oder den Schuleintritt vorzubereiten. Sie lernen, wie
sie sich im Schulsystem zurechtfinden und wie sie ihre Kinder optimal unterstützen können. Schulstart+
soll in einem zweimonatigen Kurs mit acht Einheiten à 2 1/2 Stunden durchgeführt werden. Parallel zum
Elternkurs findet am gleichen Ort eine Spielgruppe für die Kinder statt. Die Spielgruppe wird durch
eine deutschsprachige Spielgruppenleiterin geführt. Bei Bedarf werden Übersetzerinnen und Übersetzer
eingesetzt, da sich das Kursangebot an deutsch-, tamil-, türkisch- und albanischsprachige Eltern richtet.
Ob Schulstart+ 2009 erfolgreich gestartet werden kann, hängt einerseits von der Finanzierung ab, andererseits
davon, ob genügend Eltern zur Teilnahme gewonnen werden können. Kurt Brand Weitere
Informationen: Caritas Aargau, 5001 Aarau Karin
Knobel, Projektleiterin Telefon 062 822 90 10 DEUTSCH, KINDERLEICHT![]() MuKi-Deutsch
führt Mütter und Kinder gemeinsam an die deutsche Sprache und die Schweizer Kultur heran.Foto: PhG MuKi-Deutsch,
ein von Bund, Kanton und Gemeinden getragenes Sprachförderungs-, Bildungs- und Integrationsangebot im
Aargau, richtet sich an Frauen mit Kindern im Vorschulalter. MIX mischte sich unter die Teilnehmenden
in einem Kurs in Suhr. Ein kleiner Ball kullert
quer durch den Raum, dem Besucher vor die Füsse. Eine Aufforderung, mitzumachen, könnte man meinen.
Mütter und ihre Kinder treffen sich im Ostschulhaus in Suhr, aber nicht in erster Linie zum Spielen,
sondern zum Lernen. Ein Deutschkurs inmitten von Spielsachen, Babyflaschen und Kinderwagen. Kein Widerspruch. Im
MuKi-Deutsch-Angebot der unabhängigen Aarauer Organisation machBar werden sowohl Kinder bis zum Kindergartenalter
wie auch ihre Mütter sinnlich an die deutsche Sprache herangeführt. Zweimal wöchentlich während zweieinhalb
Stunden steht nicht Grammatikdrill auf der Tagesordnung, sondern das komplementäre Lernen mit den Kleinen
und Kleinsten. «Je früher anderssprachige Frauen zusammen mit ihren Kindern Deutsch lernen, desto grösser
sind die Bildungserfolgschancen der Kinder im Hinblick auf ihre künftigen Kindergarten- und Schuleintritte»,
erklärt die Leiterin des Projektes, Rosa-Maria Rizzo. Seit 1999 erkannten bereits über 30 Aargauer Gemeinden
dieses Plus und übernahmen MuKi-Deutsch in ihr Angebot. 2006 folgte der Kanton Solothurn. Einige
Mütter treffen bereits vor Kursbeginn ein. Die Zeit steht zur Verfügung, um Hausaufgaben zu besprechen,
Fragen zu stellen oder ganz einfach das Baby zu stillen. Das Schulzimmer füllt sich nach und nach mit
Kinderlachen und diskutierenden Frauen. Den offiziellen Part starten die Co-Leiterinnen des Kurses,
Veronika Büchel und Angela Valli-Mazzei, mit dem theatralischen Erzählen einer Kindergeschichte. Die
Mädchen und Buben hören aufmerksam zu oder greifen aktiv ins Geschehen ein. «Die Kinder haben zu Hause
oft keinen Anknüpfungspunkt an die deutsche Sprache. Hier treten sie in Kontakt zu unserer Kultur»,
meint Angela Valli. Die Anregung trägt bei den Eltern Früchte: «Ich habe für meine Tochter Hörbücher
auf Deutsch und Schweizerdeutsch gekauft. So kann sie nun auch daheim mit der Sprache vertraut werden»,
trägt eine Mutter in die Runde. Das
Einmaleins des ABC Später stehen drei Frauen,
eine aus Südamerika, die anderen aus Syrien und Tibet, um einen Tisch, welcher von Veronika Büchel mit
herbstlichen Früchten und Blumen dekoriert worden ist. Sie greifen immer wieder einen anderen Gegenstand:
«Der Kürbis gehört mir.» – «Das ist meine Baumnuss.» Possessivpronomen werden geübt. Gleichzeitig erklärt
Angela Valli einer noch etwas weniger versierten Gruppe von Frauen Arbeitsblätter. A wie Apfel, B wie
Banane, alles zusammen ergibt das Deutsche ABC. Die Kinder spielen nebenbei oder sitzen der Mutter auf
dem Schoss, während sie sich in ein Wörterbuch vertieft. Die Kleinen sollen während der Kurse in eine
Umgebung eintauchen, wo Deutsch gesprochen, gesungen und geschrieben wird. Ein Raum, wo soziale Kontakte
über kulturelle Grenzen hinweg geknüpft werden können, aber wo immer die Schweizer Eigenheiten im Vordergrund
stehen. «Die Teilnehmerinnen lernen eher wenig über die Ursprungskultur der Kolleginnen. Vielmehr vermitteln
wir Schweizer Werte und nationale und regionale kulturelle Aspekte,» meint Frau Valli. Der Hinweis auf
das anstehende Herbstfest auf dem Robi-Spielplatz in Suhr oder das Aarauer «Bachfischet» wird von den
Frauen neugierig aufgenommen. Die beiden Kursleiterinnen, die eine Pädagogin, die andere Erwachsenenbildnerin,
helfen auch bei Problemen mit Papieren oder Schreiben von Schulen und Kindergärten. So wird eine Brücke
zwischen fremdsprachigen Eltern und Behörden geschaffen. Alle schätzen die professionelle Unterstützung
im angenehmen Rahmen. Dass sie zusammen mit ihren Kindern einen Deutschkurs besuchen können, erachten
sie nicht nur als sehr sinnvoll, sondern auch aus praktischen Gründen als ideal. Stellvertretend für
die meisten Teilnehmerinnen meint eine Frau aus Costa Rica: «Eine externe Betreuung für unser Kind könnten
wir uns für die Zeit eines Kursbesuchs gar nicht leisten.» Grosse Dankbarkeit schwingt mit den Worten
mit. Das Merci kommt auch den anderen Frauen über die Lippen – mit gekonnt deutschschweizerischem Akzent.
Sie haben den Ball aufgenommen. Philipp Grünenfelder Weitere
Informationen: machBar Bildungs-GmbH Hammer 1, 5000 Aarau | ||||||||||||||||||||||||||||||||








