EDITORIAL


Liebe Leserinnen, liebe Leser

«Die Schweiz braucht Ausländer» übertitelt die NZZ den Leitartikel vom 21. November 2009 und hält unter anderem fest: «Nicht Arroganz oder Angst erleichtern den Umgang mit Ausländern, sondern das Bewusstsein, dass der hiesige Arbeits-, Werk- und Forschungsplatz stets deutlich besser sein muss als die globale Konkurrenz.»

Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit im Schweizerischen Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO doppelt im Interview in dieser MIX nach: «Unsere Industrie hätte in den letzten Jahren nie so stark wachsen und Arbeitsplätze schaffen können, wenn nicht Ingenieure und Techniker in grosser Zahl in die Schweiz eingewandert wären.»

In ihrer 18. Ausgaben stellt die Migrationszeitung MIX bewusst diesen Mehrwert und den Innovationscharakter von Migrationsbewegungen für die Schweizer Wirtschaft ins Zentrum und zeigt auf, dass Offenheit und Liberalität die unersetzliche Basis für den wirtschaftlichen und individuellen Erfolg legen. Es war schwierig, Menschen für Porträts in der MIX zu gewinnen. Insbesondere die kritischen Stimmen wollten nicht namentlich erscheinen. Dies muss uns zu denken geben. Erfreu-licherweise können wir dennoch eine Vielfalt von Geschichten vorstellen.

Eine Vielzahl von zugewanderten und eingebürgerten Menschen tragen seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich zur Entwicklung der Schweizer Wirtschaft und zur global einzigartigen Dichte an Industrie- und Dienstleistungsbetrieben bei. Darauf wird im Leitartikel näher eingegangen. Zuge-zogene haben sehr erfolgreich Unternehmen gegründet, die heute als typisch schweizerisch gelten. Nestlé ist hierfür nur ein Beispiel. Dass es mit Nicolas G. Hayek ein Migrant war, der die Schweizer Uhrenindustrie in den 1980er Jahren gerettet hat, ist allgemein bekannt.
Dass Mehrwert durch Migration nur durch erfolgreiche Integrationsarbeit wirklich zum Mehrwert wird, versteht sich von selbst. Erfolgreiche Unternehmen und Institutionen – wie sie auf verschiedenen Kantonsseiten vorgestellt werden – sind davon abhängig, wie Integration gelebt wird. Sei dies am Paul Scherrer Institut, wo Menschen aus über fünfzig Nationen zusammen forschen, oder an der Uni-versität Zürich. Ihr Rektor betont, dass in einer globalisierten Welt Nationalitäten weniger wichtig sind und die Qualifikation der Professoren im Vordergrund steht.

Mehrwert durch Migration funktioniert aber auch in tieferen Lohnsegmenten. Das zeigt die Beratungsfirma «Fairness at work». Allein ihr Projekt «proper job» beschäftigt nach nur vier Jahren 230 Reinigungskräfte – rund zwei Drittel davon mit Migrationshintergrund. Oder auch das Nestlé-Werk (ehemals Leisi) in Wangen bei Olten, wo 400 Personen aus 26 Nationen im Mehrschichtbetrieb marktgerecht produzieren und auch Halal-Produkte anbieten, welche den muslimischen Essvorschriften entsprechen.

Ohne Zuwanderung, ohne erfolgreich umgesetzte Integrationspolitik würde die Schweiz nicht über eine der erfolgreichsten Wirtschaften weltweit verfügen. Die Schweiz darf also auch in Zukunft nicht auf Zuwanderung verzichten. Machen wir uns das Erfolgsrezept der globalisierten Schweizer Wirtschaft zu Nutze: Streben wir ge-meinsame Ziele an und leben wir Integration.


Albert Weibel
für die Integrationsdelegierten