Editorial MIX Nr. 15![]() Integrationsbeauftragte
aus sechs Kantonen. V.l. Thomas Kessler (BS), Hans Beat Moser (BL), Albert Weibel (SO), Julia Morais
(ZH), Ernst Härdi (AG) und Roland Beeri (BE). Foto: z.V.g. «Vorbeugen
ist besser als heilen» ist eine alte Weisheit, ebenso «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr».
Und was für Hänschen gilt, stimmt auch für Luigi und Fatima. Alte Weisheiten treffen auf neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Fakten. Die Anforderungen
an die Arbeitnehmenden steigen, die Wirtschaft sucht dringend Fachkräfte, gleichzeitig werden
Arbeitsplätze für Hilfskräfte wegrationalisiert. Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die wenig
gefördert werden, starten weit hinter der Startlinie ins Bildungssystem und werden es mit grosser Wahrscheinlichkeit
auch so verlassen – auf der untersten Bildungsstufe. Dies führt dazu, dass ein Fünftel der Schweizerinnen
und Schweizer und zwei Fünftel unserer ausländischen Bevölkerung keine Berufsbildung vorweisen können.
Trotz solider Konjunktur existiert eine hartnäckige strukturelle Arbeitslosigkeit. Jedoch müssen weiterhin
tausende von qualifizierten Fachkräften im Ausland gesucht werden. Eine Analyse der Dossiers von arbeitslosen
Jugendlichen in Basel und Zürich hat ergeben, dass ein Grossteil der Betroffenen bereits in der Kindheit
soziale, kognitive und gesundheitliche Defizite aufwiesen. Es ist also höchste Zeit, als Gesellschaft
und Staat so zu handeln wie jede verantwortungsbewusste Familie und wie jeder Unternehmer: Fördern und
Fordern ab erstem Tag, Potenziale fördern sowie Fehlentwicklungen vorbeugen und Probleme schon im Ansatz
angehen. Schwache sollen gestützt und gestärkt und Talente zur vollen Entfaltung gebracht werden. Dies
wäre ja an sich selbstverständlich, ist aber neu in der politischen Agenda, welche Familien- und Kinderförderung
immer noch als reine Privatsache sieht und im Gesundheits-, Bildungs-, Sozial- und Justizwesen horrende
Millionenbeträge für Spätfolgen fehlender Frühförderung ausgibt. Mit den jährlichen Kosten für einen
Jugendheimplatz kann man im selben Zeitraum mehrere sozial schwache Familien begleiten und unterstützen.
Viel Unheil könnte vermieden, Potenziale genutzt und die übergrossen Reparaturstrukturen allmählich
zurückgefahren werden. Investieren statt reparieren heisst die Devise. Beginnen wir heute, den Menschen
und dem ganzen Land zuliebe. Mit der Migrationszeitung
MIX treten die Kantone AG, BE, BL, BS, SO und ZH für eine gemeinsame Integrationspolitik ein, tragen
zur Versachlichung der Diskussion bei und kommen dabei ihrer Informationspflicht nach. Die
Integrationsbeauftragten | ||||||||||||||||||||||||||||||||







