Tatsachen gegen Vorurteile

Im Jahre 2000 starteten die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft erstmals eine bikantonale Kampagne unter dem Titel „Tatsachen gegen Vorurteile“ mit dem erklärten Ziel, die breite Bevölkerung zu einer offenen und differenzierten Auseinandersetzung mit Integrationsfragen zu motivieren. Von 2000 bis 2005 wurden 11 Ausgaben der Migrations-Zeitung und grossformatige Anzeigen in den Tageszeitungen der Kantone und einigen anderen überregionalen Medien realisiert.
Leben Sie doch einfach mal einen Tag echt schweizerisch.
Kein Problem:


Aufstehen und zu jamaikanischer Reggae-Musik kolumbianischen Kaffee oder Tee aus Sri Lanka schlürfen, dazu amerikanische Cornflakes essen oder Joghurt (ein türkisches Wort, ebenso wie der Kiosk, wo Sie die Zeitung holen). Vor der Fahrt im japanischen Wagen bitte noch schnell Benzin aus Saudi-Arabien einfüllen (oder aufs Mountainbike oder den Scooter steigen) – und ab gehts zur Arbeit im multinationalen Unternehmen. Mittags reichts nur zu einem Hamburger im Fast Food oder einem Döner Kebab an der Ecke. Dann ein Spurt in den italienischen Schuhen ins Office, wo der koreanische Computer samt amerikanischer Software darauf wartet, dass der japanische Drucker etwas ausspuckt. (Gut, dass der nette Kollege aus Nebraska bei der Übersetzung hilft.) Feierabend – ab ins Fitness-Center, zum Shopping, in die finnische Sauna oder zum Squash. Dann ein Dinner beim Griechen (mit der netten Bedienung aus Tunesien) oder einfach daheim ein guter Burgunder.

Sollten Sie hingegen in der Religion Zuflucht suchen, aufgepasst: Jesus und Maria stammen aus Galiläa, der Papst aus Polen, Luther und Oekolampad aus Deutschland, Calvin aus Frankreich, Mohammed aus Arabien und Buddha aus Nepal. Bleibt uns immerhin Huldrych Zwingli aus Wildhaus.

Im Ernst: Stellen Sie sich eine Schweiz ohne ausländische Menschen, Ideen, Kulturen, Nahrungsmittel, Produkte und Dienstleistungen vor. Und fragen Sie sich einmal, warum so viele Schweizerinnen und Schweizer die ägyptischen Pyramiden, die Alhambra von Granada, die Tempel von Thailand, die Kunstschätze Kleinasiens, den Markt von Marrakesch, die türkischen Badeorte oder die Küstenstädte Kroatiens besuchen und bewundern – und handkehrum Berührungsängste haben, wenn sich Menschen aus diesen Ländern bei uns ansiedeln.

Kein Mensch behauptet ernsthaft, dass dies keine Probleme mit sich bringt. Aber abgesehen davon, dass unser Land ohne Migrantinnen und Migranten wirtschaftlich nicht existieren könnte, sind sie in ihrer Mehrheit auch ein gesellschaftlicher und kultureller Gewinn für unser Land.

Und was könnte typisch schweizerischer sein,
als guten Gewinn gerne anzunehmen?



Tatsachen gegen Vorurteile.
Ein Beitrag der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft zu sachlichen Diskussion im Umgang mit Menschen.