 |
 |
 Ängste und Befürchtungen ernst genommen
Ein Interview mit den Regierungsräten Jörg Schild, Vorsteher des Militär-
und Polizeidepartementes des Kantons Basel-Stadt, und Peter Schmid, Vorsteher der
Erziehungs- und Kulturdirektion des Kantons Basel-Landschaft.
Migrations-Zeitung (MZ): Basel-Stadt hat ein erfolgreiches, in der ganzen Schweiz
beachtetes Leitbild zur Integrationspolitik geschaffen. Wie ist es zur Idee eines
Leitbildes gekommen? Wer war beteiligt?
Jörg Schild, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt.
RR Schild: Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt hat sich in seinem Regierungsprogramm 1997
2001 das Ziel gesetzt, eine Migrations- und Integrationspolitik zu entwickeln, die
ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben von einheimischer und zugewanderter
Wohnbevölkerung ermöglicht. Den Auftrag für dieses Leitbild erhielt die
Integrationsexpertin vom Ethnologischen Seminar der Uni Basel, Dr. Rebekka Ehret. Als
Fachfrau hat sie ein Leitbild geschaffen, das die Thematik mit drei klaren Leitsätzen
angeht:
Nutzen des Potenzials
Integration als ein gesamtgesellschaftliches und gesamtstädtisches Anliegen
bewusster Umgang mit Differenz
Der Entwurf wurde mit Migrantinnen und Migranten sowie mit staatlichen Fachstellen
besprochen; über 170 Fachorganisationen und Personen haben an der Vernehmlassung
teilgenommen. Dieser Prozess hat über ein Jahr gedauert und das Ergebnis kann sich
wirklich sehen lassen. Bisher wurden über 2000 Exemplare in der Region, der ganzen
Schweiz sowie aus dem Ausland bestellt. Es ist mittlerweile in sieben Sprachen
erhältlich.
MZ: Was versprechen Sie sich konkret vom Leitbild?
RR Schild: Das Leitbild und Handlungskonzept des Regierungsrates zur Integrationspolitik des Kantons
Basel-Stadt wie es vollständig heisst soll einerseits die Absicht der
Regierung zu einer umfassenden Integrationspolitik betonen und andererseits aufzeigen,
dass Integration eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit ist. Neben Regierung und
Behörden sind auch Sozialpartner, Parteien, Kirchen, Vereine und der einzelne Mensch
angesprochen. Es freut uns deshalb, dass die Einführung und mittlerweile auch die
Umsetzung der neuen Integrationspolitik das breit abgestützte Bekenntnis zur
Integration in unserer Region verdeutlichen. Wir wollen eine effiziente, koordinierte und
überzeugende Integrationspolitik.
MZ: In Basel-Stadt wurde ein Leitbild entwickelt. Welche Schritte wurden bisher in
Basel-Landschaft im Bereich Integration der im Kanton lebenden Migrantinnen und Migranten
unternommen?
Peter Schmid, Vorsteher der Erziehungs- und Kulturdirektion des Kantons Basel-Landschaft.
RR Schmid: Im Mai 1997 wählte der Regierungsrat eine Kommission, die zur Aufgabe hatte, die
damaligen Instrumente und Einrichtungen zur Integration von Migrantinnen und Migranten
zusammenzustellen und Änderungs- und Ergänzungsgrundlagen zu erarbeiten. Im Juni
1998 lagen die Ergebnisse vor. Man kann sagen, der Bericht der Arbeitsgruppe hat den
Charakter eines Konzeptes, auch wenn er «nur» für den Regierungsrat,
nicht a priori für die Öffentlichkeit erarbeitet wurde. An Massnahmen schlug die
Kommission vor:
1. Einsetzen eines Forums für Integrations- und Migrationsfragen
2. Einrichten einer Stabsstelle für Integrationsfragen
3. Koordinationsauftrag an den Ausländerdienst Basel-Landschaft
Alle drei Forderungen sind als erste Schritte bereits realisiert, die Stabsstelle ist seit
November 1999 besetzt, das Forum hat im Februar 2000 seine Arbeit auf- und der
Ausländerdienst den Koordinationsauftrag übernommen.
MZ: Welche Aufgaben hat das Forum für Integrationsfragen, und wie ist es organisiert
?
RR Schmid: Die erste Aufgabe des Forums ist es, eine Bedarfsabklärung in den verschiedenen
Bereichen, wie z. B. Schule, Bildung, Gesundheit etc. durchzuführen und daraufhin
einen Massnahmenkatalog mit klarer Terminsetzung zu erstellen. Im Weitern prüft das
Forum neue Integrationsprojekte auf ihre Tauglichkeit und finanzielle Machbarkeit. Es ist
vorgesehen, dass das Forum auch über gewisse, allerdings limitierte finanzielle
Mittel verfügen soll.
Das Forum für Integrationsfragen besteht aus 20 Mitgliedern aus verschiedenen
staatlichen, sozialen, gewerkschaftlichen und kirchlichen Institutionen. Die
ausländische Wohnbevölkerung ist mit mindestens sechs Personen der wichtigsten
Herkunftsländer vertreten.
MZ: Und welche Rolle spielt die Stabsstelle für Integrationsfragen im Kanton
Basel-Landschaft?
RR Schmid: Die Stabsstelle ist die Anlaufstelle für Integrations- und Migrationsfragen im
Kanton. Sie dient als Bindeglied zwischen Forum, Nachbarkantonen, anderen Gremien und dem
Regierungsrat.
MZ: Welchen Stellenwert hat für Sie die Integrationspolitik und inwiefern beziehen
Sie das in Baselstadt entstandene Leitbild in ihre Politik ein?
RR Schmid: Die Integrationspolitik in unserem Kanton ist ein wesentlicher Bestandteil der
regierungsrätlichen Gesamtpolitik. Es ist unumstritten, dass eine koordinierte
Integrationspolitik der gesamten Wohnbevölkerung des Kantons Basel-Landschaft zu Gute
kommt. Die Integrationspolitik im Kanton Basel-Landschaft erfolgt im Austausch und in
Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt. Wir müssen jedoch berücksichtigen,
dass Basel-Stadt aus einer ganz grossen und zwei kleinen Gemeinden besteht, während
die 86 Gemeinden im Kanton Basel-Landschaft einen grossen Spielraum für eigene
Projekte haben. Alles lässt sich also nicht übernehmen, da die
Integrationsproblematik und -chancen teilweise doch anders gelagert sind.
MZ: Das ANAG (Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer)
teilt Migrantinnen und Migranten in verschiedene Kategorien ein. Fördert oder
behindert diese Einteilung eine Integration?
RR Schmid: Es ist richtig, dass es darin vielerlei Unterscheidungen gibt. Die
Integrationsbemühungen, von denen wir jetzt sprechen, richten sich an Migrantinnen
und Migranten mit B und C-Bewilligungen, das heisst solche, die entweder schon lange in
der Schweiz leben oder die voraussichtlich in der Schweiz bleiben werden. Kritisch
betrachtet werden muss teilweise die Bewilligungskategorie F, d.h. es sind asylrelevante
Gründe vorhanden, aber es wird nur eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz
gewährt. Diese Menschen halten sich meistens sehr lange in der Schweiz auf, werden
aber ihres Status wegen von den integrativen Massnahmen ausgeschlossen.
RR Schild: Jegliche Klassifizierung hat etwas Willkürliches. Ich kenne Leute, die drei und mehr
Pässe haben, sogar aus verschiedenen Kontinenten; die Staatsangehörigkeit sagt
nichts über eine Person aus. Zur Zeit leben in Basel-Stadt Menschen aus 156 Nationen,
damit ist noch nichts über die ethnische Herkunft, die Sprachzugehörigkeit oder
das soziale Umfeld gesagt. Die Vielfalt der Zugewanderten auch aus den Schweizer Kantonen
ist enorm, da ist keine Klassifizierung möglich. Ich habe in meinem Departement
Fälle gesehen, da haben alle Familienangehörigen einen unterschiedlichen
Aufenthaltsstatus, ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Tatsache einer Integration
dient.
MZ: Ist die Region Basel als Grenzregion von Migration stärker betroffen als andere
Gegenden in der Schweiz?
RR Schild: Die Schweiz ist de facto seit Ende des 2. Weltkrieges ein Einwanderungsland, weil die
meisten Eingewanderten, die wir als Arbeitskräfte ins Land geholt haben, hier
geblieben sind. Knapp ein Drittel der nichtschweizerischen Bevölkerung lebt seit mehr
als 20 Jahren bei uns. 24% aller sogenannten Ausländerinnen und Ausländer sind
hier geboren. In der Region Basel sind die entsprechenden Zahlen noch höher, bedingt
durch unseren starken Wirtschaftsstandort und unsere seit jeher grosse Verbundenheit
über die Landesgrenzen nicht nur weil 2/3 unseres Kantonsgebietes ans Ausland
grenzt.
RR Schmid: Basel-Landschaft und Basel-Stadt waren und sind immer noch der geographischen Lage wegen
attraktiv! Aber sie sind es auch wegen der florierenden Wirtschaft. Die Chemie- und
Versicherungskonzerne, die Banken und viele weitere Betriebe sind auf Spezialistinnen und
Spezialisten aus aller Welt angewiesen. Die Region Basel verzeichnet wie
Zürich oder Frankfurt einen hohen Anteil an Ausländerinnen und
Ausländern in zum Teil hochspezialisierten Berufen. Kantone wie Graubünden,
Wallis und Tessin beschäftigen dafür speziell viele Migrantinnen und Migranten
in der Tourismus- und der Gastgewerbebranche.
MZ: Wie sieht die Entwicklung aus? Braucht unsere Gesellschaft auch in Zukunft
ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer?
RR Schild: Ich brauche hier sicher nicht speziell auf die gegenwärtige Situation in der
EDV-Branche hinzuweisen. Die neuesten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen die
Realität: Gesamtschweizerisch sind 32% der Hilfskräfte Ausländerinnen und
Ausländer, weitere 36% der in der Fabrikation Beschäftigten haben keine
schweizerische Staatsangehörigkeit, 40% der Wissenschafter und Wissenschafterinnen
ebenso. In Basel liegt dieser letztgenannte Anteil bei sogar knapp 60%. Ich denke diese
Zahlen sprechen für sich.
RR Schmid: Die Schweiz wird immer auf Fach- und Hilfskräfte aus dem Ausland angewiesen sein.
Gerade jetzt, mit dem deutlich spürbaren Wirtschaftsaufschwung steigt die Nachfrage
nach Fachleuten aus dem In- und Ausland wieder an.
MZ: Der Missbrauch des Gastrechts ist ein wichtiger Grund für Fremdenfeindlichkeit.
Er schadet zudem auch denjenigen Migrantinnen und Migranten, die sich in der Schweiz
wohlfühlen, positiv eingestellt sind und keinerlei Anlass zu Ablehnung oder
Ausgrenzung geben. Wie kann einem Missbrauch unseres Gastrechts, speziell der
Sozialinstitutionen, begegnet werden? Wird die Problematik des Missbrauchs erkannt?
RR Schmid: Natürlich wird diese Problematik erkannt. Leider wird sie zu häufig allzu
emotional diskutiert. Es steht ausser Frage, dass diejenigen Systemfehler, die einen
Missbrauch überhaupt erst ermöglichen, ausgeschaltet werden müssen. Die
konsequente Durchsetzung unserer Rechtsordnung ist notwendig für ein friedliches
Zusammenleben.
MZ: Braucht es andere Gesetze, um das Zusammenleben zwischen Schweizerinnen, Schweizern
und Angehörigen anderer Länder und Kulturen besser zu regeln? Oder
genügt die Auslegung und Durchsetzung der bestehenden Regelungen? Könnten
zusätzliche Gesetze die Integration fördern?
RR Schild: Das ANAG ist ein gutes Gesetz, auch wenn es zugegebenermassen etwas in die Jahre gekommen
ist und eine Auffrischung gebrauchen könnte. Aber wie bei jeder gesetzlichen Regelung
ist meist die Umsetzung das Problem. Persönlich meine ich, das Zusammenleben
verschiedenster Menschen kann kaum mit gesetzlichen Normen verbessert werden. Es muss
zuerst sachlich informiert werden, und es müssen die Voraussetzungen geschaffen
werden, um allen die gleichen Möglichkeiten zu eröffnen, um ihren Lebensstandard
zu erhalten oder zu verbessern. Gesetze können dabei schon helfen, wie zum Beispiel
in den Niederlanden, die über ein wirksames Integrationsgesetz verfügen.
RR Schmid: Die gesetzliche Grundlage, auf welche die Integrationspolitik im Kanton Basel-Landschaft
aufbaut, ist der Artikel 108 der Verfassung (eingeführt 1984). Er lautet:
«Kanton und Gemeinden fördern in Zusammenarbeit mit privaten Organisationen
Wohlfahrt und Eingliederung von Ausländern.» Auf Bundesebene haben die
eidgenössischen Räte nun den Integrationsartikel (Art. 25lit.a ANAG) und die
damit verbundenen Bundesbeiträge genehmigt. Der Integrationsartikel ist seit dem 1.
Juli 1999 in Kraft. Es liegt also auf der Hand, dass staatliche Massnahmen die
Integrationspolitik in der Schweiz fördern.
MZ: Wie geht unser Staat mit nicht christlicher Weltanschauung um?
RR Schild: Ein Blick in unsere Geschichte beweist, dass die Schweiz und vor allem unsere Region in
dieser Beziehung geprägt ist durch eine humanistische Weltanschauung und im Umgang
mit «anderen» Religionen eine lange Tradition pflegt. Minderheiten in jeder
Beziehung bilden seit langem einen festen Bestandteil unserer Bevölkerung.
MZ: Wie geht unser Schulsystem mit der ethnischen Vielfalt und dem Mangel an
Ausbildungsplätzen um?
RR Schmid: Die Schule ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Die mangelnden Ausbildungsplätze
sind nicht nur ein Integrationsproblem, sondern generell eines der Berufsbildung.
MZ: Was sehen die beiden Regierungen vor, um die Situation in Schule,
Ausbildung und Eintritt ins Erwerbsleben zu verbessern?
RR Schmid: Im Kanton Basel-Landschaft haben wir schon vieles unternommen. Es gibt vor allem beim Amt
für Berufsbildung und Berufsberatung etliche Bemühungen, nicht so gut gebildete
Jugendliche voranzubringen. Dabei handelt es sich immer auch um
Integrationsbemühungen, weil der Anteil von ausländischen Jugendlichen recht
hoch ist. Ich finde es aber wichtig, dass alle Jugendlichen zum Beispiel von der
Beratungsstelle «wie weiter» in Birsfelden profitieren können. Für
ausländische junge Frauen ist hingegen «Migrantinnen zwischen Schule und
Beruf» konzipiert, welche ebenfalls von unserem Amt für Berufsbildung und
Berufsberatung zusammen mit dem Gleichstellungsbüro Basel-Stadt durchgeführt
wird.
RR Schild: Die Verbesserung der Schulqualität für alle und die gezielte
Förderung der Mehrsprachigkeit stehen bei uns im Vordergrund. Der korrekte
Spracherwerb soll deshalb viel früher als heute, wenn möglich schon im
Vorschulalter, erfolgen. Viele Förderangebote in der Schule und Brückenangebote
zwischen Schule und Lehre bestehen allerdings schon. Diese werden jetzt
weiterentwickelt und ergänzt mit Eingliederungsprojekten, die wir zusammen mit der
Wirtschaft durchführen. Zudem sind die Ausbildungsbehörden im Gespräch mit
dem Gewerbe, um die Lehrangebote auszuweiten unter anderem auch bei ausländischen
Kleinunternehmen.
MZ: Können Sie verstehen, dass es Leute gibt, die gegenüber Migrantinnen und
Migranten Berührungsängste oder Abneigung haben?
RR Schmid: «Verstehen» kann ich ziemlich viel. Aber wenn ich es «verstehe»,
so heisst das noch lange nicht, dass ich es akzeptiere und vor allem nicht, dass ich
nichts dagegen tue. Die Art und Weise, wie Menschen mit ausländischer Herkunft
begegnet wird seien sie nun Gäste, Durchreisende, Migrantinnen, Migranten oder
Asylsuchende ist ein solches Beispiel. Ich finde, es gibt einfach Gebote und Grenzen der
Menschlichkeit.
MZ: Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit Migrantinnen und Migranten?
RR Schmid: Ich teile die Menschen nicht in Migrantinnen und Migranten und andere. Das liegt mir
nicht. Mensch ist Mensch. Und von dieser Spezies gibt es ganz verschiedene Exemplare.
RR Schild: Ich habe sehr interessante Menschen kennen gelernt. Man kann im Gespräch mit
Migranten und Migrantinnen viel über andere Lebensweisen erfahren; das lässt
einen manchmal über die eigene Lebensführung nachdenken. Wesentlich ist, dass
man immer den einzelne Menschen sieht und nicht in die Falle der positiven oder negativen
Vorurteile gerät.
MZ: Wie können Ängste abgebaut werden? Was kann jeder von uns im
persönlichen Umfeld tun?
RR Schmid: Die Unkenntnis des Fremden löst bei vielen Schweizerinnen und Schweizern diffuse
Ängste aus. Durch Aufklärung und Information können wir viele Barrieren
abbauen. Integration ist ein gegenseitiger Prozess, der alle Mitglieder der Gesellschaft
einbindet, Toleranz und Respekt jeder und jedes Einzelnen sind somit Voraussetzung eines
friedlichen Zusammenlebens. Mit Hilfe integrationsfördernder Massnahmen können
soziale Spannungen und somit auch das Konfliktpotential verringert werden.
RR Schild: Genau deshalb lancieren die beiden Kantone gemeinsam eine drei Jahre dauernde
Informationskampagne mit dem Titel «Tatsachen gegen Vorurteile». Sie soll
einen Beitrag zur Versachlichung leisten. Integration und interkulturelles Zusammenleben
sind wichtige gesamtgesellschaftliche Ziele geworden, dies wollen wir der einheimischen
und der zugewanderten Bevölkerung bewusst machen. Wir informieren die
Bevölkerung über Fakten und Zusammenhänge, weil fehlendes Wissen Vorurteile
begünstigt. Auch soll mit Informationen auf beiden Seiten die Dialogbereitschaft
gefördert werden. Die vorliegende Zeitung ist Teil der Kampagne.
MZ: Wo fängt Ausländerfeindlichkeit eigentlich an?
RR Schmid: Ausländerfeindlichkeit fängt nicht an, sie ist gesellschaftlich immer da. Aber
das ist eine lange Geschichte. Ich weiss, was Sie meinen: Ausländerfeindlichkeit
fängt dort an, wo die Menschlichkeit angetastet wird, ganz im Sinne
der früheren Redewendung: «Die Würde des Menschen ist
unantastbar».
RR Schild: Ausländerfeindlichkeit beginnt dort, wo fremde Nationalitäten pauschal
verunglimpft werden, wo man einer Volksgruppe ganz generell bestimmte negative
Eigenschaften oder ein unerwünschtes Verhalten unterstellt. Konkrete Probleme mit
bekannten oder fremden Menschen soll man ruhig als solche benennen und beanstanden, sobald
aber verallgemeinert und mit plumpen Vorurteilen gearbeitet wird, ist die Schwelle
überschritten.
MZ: Wie reagieren Sie selbst auf fremdenfeindliche Äusserungen?
RR Schmid: Als Regierungsrat bin ich da in einer speziellen Situation. In meiner Gegenwart machen
die Leute in der Regel keine ausländerfeindlichen Sprüche. Was ich aber immer
wieder erfahre, ist, dass ich, wenn ich in einer Rede etwas zu Rassismus und
Antisemitismus gesagt habe, mit Sicherheit ein paar üble, manchmal auch mich
beschimpfende Karten oder Briefe bekomme. Wenn sie nicht anonym sind, nehme ich mir Zeit
und schreibe eine Antwort aus meiner Sicht der Dinge.
RR Schild: Da geht es mir ähnlich wie meinem Kollegen. Mir gegenüber haben solche Leute
meist keinen Mut, sich auf dumme oder respektlose Art über andere zu äussern.
Vielleicht auch, weil sie wissen, dass ich auf solche Dinge direkt und deutlich
reagiere.
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|