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 «'S isch im Fluss» hiess das Programm in diesem Sommer auf einem der beiden
Kulturflosse auf dem Rhein, eine Bezeichnung, die auch für die Basler
Integrationspolitik gilt. Das regierungsrätliche Integrationsleitbild vom August 1999
und das dazugehörende Handlungskonzept haben die Umsetzung der vielfältigen
Integrationsprojekte beschleunigt.
Im Vordergrund steht nach wie vor die Förderung der Integration durch Information und
Bildung.
Das Leitbild ist übrigens schon über 3000-mal im In- und Ausland verkauft worden
und ist jetzt in sechs Sprachen erhältlich (D, F, I, E, SP und Serbokroatisch). Die
Anfragen aus Kantonen und Gemeinden um Fachberatung sind derart gross, dass sie
kontingentiert werden mussten. Wir hoffen, dass die zuständigen Bundesbehörden
demnächst diese Aufgabe übernehmen können. Das Leitbild hat auch mehrere
Migrantenvereine ermutigt, eigene Begegnungs-, Lern-, Beratungs- und Vermittlungsprojekte
zu starten. Alle neuen Projekte sind in Übereinstimmung mit dem Leitbild
ausdrücklich über den Mitgliederkreis hinaus offen angelegt und auf die gute
Zusammenarbeit mit den Behörden und der unmittelbaren Nachbarschaft ausgerichtet.
Erwähnt seien als Beispiele der Treffpunkt «Regenbogen» im Kleinbasel
oder der universitäre Lehrgang für E-Commerce des italienischen Staates, der
allen italienischstämmigen Menschen offen steht, auch jenen mit Schweizer Pass.
Innerhalb der kantonalen Verwaltung ist die Umsetzung des Handlungskonzepts systematisiert
worden. Um die Koordination in allen Departementen zu gewährleisten, hat der
Regierungsrat unter der Leitung des Integrationsdelegierten, Thomas Kessler, eine
interdepartementale Umsetzungsgruppe eingesetzt, bestehend aus Kadermitgliedern aus allen
sieben Departementen. Aufgrund des ersten Umsetzungsberichtes vom 9. August 2000 wurde
dieses Gremium in «Interdepartementales Netzwerk Integration» (INI) umbenannt;
gleichzeitig sind in allen Departementen Ansprechpersonen für Integrationsfragen
benannt worden. Damit ist gewährleistet, dass ein Netz von Fachleuten in allen
Verwaltungsbereichen für die zügige Umsetzung der Projekte sorgt und für
spezifische Fragen zur Verfügung steht. Viel Integrationsarbeit wird seit je in der
ganzen Verwaltung geleistet, oft ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Neben den
klassischen Integrationsbereichen Schule, Arbeit, Familie und Freizeit gilt dies auch
für «technische» Departemente und Abteilungen. Als Beispiel sei die
Abteilung Stadtgärtnerei und Friedhöfe im Baudepartement erwähnt, welche
sich in mehrsprachigen Schriften und Kursen für ökologisches Verhalten in der
gesamten Bevölkerung engagiert und sensibel die Problematik der muslimischen
Bestattung in Basel gelöst hat durch die Ausscheidung einer entsprechenden
Parzelle im Friedhof Hörnli. Im Wirtschafts- und Sozialdepartement (WSD) wird
inskünftig Rolf Schürmann die Subventionen im Integrationsbereich bearbeiten und
das Controlling der Integrationsmassnahmen leiten.
Im Vordergrund steht nach wie vor die Förderung der Integration durch Information und
Bildung. Kommunikationskompetenzen sind die Voraussetzung für Verständigung, die
Kenntnis und Respektierung der hiesigen Verhältnisse die Grundlage für die
erfolgreiche Integration. Die Sonderdebatte im Grossen Rat zur Schulqualität hat
gezeigt, dass der Spracherwerb und die Sozialisation viel früher und breiter als
bisher geleistet werden müssen, am besten nach dem so genannten «Tessiner
Modell», in professionell geführten Tagesstrukturen für Kinder ab drittem
oder viertem Lebensjahr. Auch in der Schule sollte der Sprachenunterricht früher
beginnen und über die ganze Schulzeit besser gepflegt werden. Das
Erziehungsdepartement hat deshalb für 2001 1 Mio. Franken für zusätzliche
Integrationsarbeit zur Verfügung gestellt und eine Arbeitsgruppe
«Interkulturelle Pädagogik» beauftragt, mit den Rektoraten aller
Schulstufen die entsprechenden Bedürfnisse abzuklären. Für die bereits in
Basel ansässigen Migrantinnen und Migranten mit ungenügenden Deutschkenntnissen
werden derzeit neue spezifische Kursangebote entwickelt, welche die bereits bestehenden
optimal ergänzen werden. Das Projekt «Lernen im Park» hat gezeigt, dass
mit innovativen Projekten auch jene Migrantinnen erreicht werden können, die bisher
keinen Zugang zu Bildungs- und Beratungsangeboten fanden.
Für Neuzuzügerinnen und -zuzüger wurde ein Begrüssungskonzept
ausgearbeitet, das neben der schriftlichen Information über den neuen Wohnort
Basel-Stadt in Deutsch und den wichtigsten Sprachen eine Begrüssung und Kurzberatung
beinhaltet. Mediatorinnen und Mediatoren werden die Zugezogenen ohne Deutschkenntnisse in
ihrer Muttersprache über die Verhältnisse in Basel orientieren und ihnen die
Kurs- und Beratungsangebote vorstellen mit dem Hinweis, dass die Basler
Behörden Wert auf eine rasche und erfolgreiche Integration legen. Der erste Testlauf
wurde am 28. Oktober im Quartier Gundeldingen mit dem Neutralen Quartierverein als Partner
durchgeführt; bis 2003 soll in allen Stadtteilen das Begrüssungskonzept
umgesetzt werden.
Ein Obligatorium für Begrüssungskurse, wie es im Leitbild als Vision formuliert
ist, wird der Kanton Basel-Stadt in der aktuellen Vernehmlassung zur Totalrevision der
Ausländergesetzes (ANAG) dem Bundesrat vorschlagen. Ein gesetzliches Kursobligatorium
kann nur national geregelt werden.
Das Arbeitsangebot hat sich in den letzten Monaten weiter verbessert, auch für wenig
qualifizierte Berufsleute. Die Arbeitslosenquote ist insgesamt auf 1,8% gesunken, bei der
ausländischen Wohnbevölkerung auf 3,5%. Im Gefolge der Umstrukturierungen und
Rationalisierungen der 90er-Jahre erreichte die Arbeitslosenquote im Bereich
ausländische Bevölkerung im Februar 1997 noch den Spitzenwert von 11,7%, seither
sinkt sie relativ stärker als bei der Schweizer Bevölkerung. Die kantonalen
Arbeitsbehörden sorgen mit Weiterbildungs- und Überbrückungsangeboten
für die Verbesserung der beruflichen Chancen. Im Bereich der Fachkräfte herrscht
Arbeitskräftemangel.
Die Mediation (Vermittlung) ist ein wichtiges Instrument der Integrationsarbeit; sie hat
in den letzten Monaten einen eigentlichen Boom erlebt. Die Integrationsbehörden haben
deshalb einer privaten Firma den Auftrag erteilt, für die Region ein Mediationsprofil
zu erstellen, das Aufschluss geben wird über die tatsächliche Nachfrage nach
Vermittlungsarbeit im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, das bestehende Angebot,
die notwendigen Qualitätsstandards und die noch zu schliessenden Lücken.
Schweizweit werden diverse Ausbildungsgänge auf verschiedenen Niveaustufen angeboten
und entwickelt; auch hier ist im Interesse einer ausreichenden und qualitativ
hochstehenden Vermittlungsarbeit eine weiträumige Koordination angezeigt. Basel-Stadt
hat mit dem Konflikt-Mediationsprojekt STREIT.LOS ein im Ausland bewährtes Programm
in Auftrag gegeben und mit Basel-Landschaft koordiniert, sodass jetzt 22 Mediatorinnen und
Mediatoren aus beiden Kantonen in intensiver Ausbildung sind. Ab 7. Dezember 2000 werden
sie im Einsatz und über die Telefonnummer 061 317 66 70 abrufbar sein.
Die Aufwertung der dicht bebauten Arbeiterquartiere aus der Gründerzeit, namentlich
die Stadtteile Matthäus/Klybeck, St. Johann und Gundeldingen, ist auf gutem Weg. Das
seit 1998 vorbereitete Projekt «Integrale Aufwertung Kleinbasel» ist Anfang
2001 startbereit, im St. Johann ist die «überdeckte Allmend» Voltahalle
eröffnet worden und im Gundeldingen ist ein Konzept für die Nutzung des
Sulzer-Areals vorhanden.
Der etappenweise Abschluss der Bauarbeiten der Nordtangente wird neben der
Verkehrsberuhigung auch den Bau von Familienwohnungen und Quartiertreffpunkten
ermöglichen und somit wesentlich zur Steigerung der Lebensqualität beitragen.
Erfreulich ist das grosse Engagement im kulturellen Bereich. Mehrsprachige Führungen
durch Basel werden vom Museum der Kulturen organisiert, das Literaturhaus im
«Unternehmen Mitte» präsentiert Literatur aus vielen der 145 in Basel
vertretenen Nationen, und im Museum für Gegenwartkunst ist eine Veranstaltungsreihe
«total global» aktuell, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Auch die
Migrantenorganisationen verstärken ihr kulturelles Engagement, so etwa mit der
Ausweitung der spanischen Filmreihe «Ciclos de Cine Español en Basilea»
auf südamerikanische Filme.
Politisch sind Migrations- und Integrationsfragen weiterhin top. Am 24. September 2000 hat
die Schweizer Bevölkerung die 18%-Volksinitiative mit 63,4 Prozent verworfen. Das
Resultat wurde als «deutlich» (Bundesrätin Ruth Metzler) gedeutet und
verpflichtet die Behörden, mit besonderem Effort die Integrationspolitik
voranzutreiben.
Am 1. Oktober 2000 hat der Bundesrat die «Verordnung über die Integration von
Ausländerinnen und Ausländern» in Kraft gesetzt, sodass jetzt die Gesuche
um Unterstützung von Integrationsprojekten von den Bundesbehörden bearbeitet
werden können.
Bis 10. November 2000 lief zudem die Frist für die Teilnahme an der Vernehmlassung
zum Entwurf der Totalrevision des Ausländergesetzes (ANAG). Im Grossen Rat des
Kantons Basel-Stadt befassen sich gleich zwei Kommissionen mit Integrationsfragen, die
Kommission «Integrationsleitbild» und die Kommission «Neues
Bürgerrechtsgesetz». Mit dem Abschlussbericht der Kommission
«Leitbild» und dessen Beratung im Grossen Rat kann im Januar 2001 gerechnet
werden.
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