5 Fragen an:

Regierungsrat Ralph Lewin, WSD-Direktor Basel-Stadt



Angst ist eine Triebfeder der Intoleranz

Wie schätzen Sie als Regierungsrat die Toleranz der Basler gegenüber anderen Kulturen ein?
Ich ziehe es im Grunde vor, nicht von Kulturen, sondern von Menschen zu sprechen. Basel ist seit Jahrtausenden ein Ort, der von Verkehr und Handel lebt. Ein solcher Ort kann ohne Toleranz gar nicht existieren. Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund haben unsere Stadt immer stark mitgeprägt. Ich glaube, dass das heute nicht anders ist.

Was kann die Regierung, der Regierungsrat tun, um die Toleranz zu fördern?
Toleranz ist eine menschliche Eigenschaft, die primär das Ergebnis der Persönlichkeitsbildung ist. Sie wird ermöglicht und geformt in der Erziehung, über Erfahrungen und Begegnungen. Leider lässt sie sich aber nicht verordnen. Die Regierung kann deshalb nur dazu beitragen, dass ein städtisches Klima entsteht, welches offen ist für Begegnungen und positive Erfahrungen. Und sie kann Einrichtungen schaffen oder fördern, welche - wie beispielsweise die Schule oder Sprachkurse - die grundlegenden Möglichkeiten der Kommunikation vermitteln.  Aber die staatlichen Schulen sollten in der Lage sein, ergänzend zur familiären Erziehung allen Kindern das Wissen und die Selbstsicherheit zu vermitteln, welche sie für das Leben in der Gesellschaft befähigen.

Wie sehen Sie die Integration, man hört immer wieder, dass gewisse Kulturen völlig losgelöst von der Stadt bestehen, müssen diese integriert werden?
Die Integration eines Menschen in seine Umwelt besteht unter anderem darin, dass er die Wahlmöglichkeit hat, sich zu sich selber, zu seiner Familie oder seinen engsten Freunden zurückzuziehen oder aber hinauszugehen und Neuem und Fremdem zu begegnen. Und ein gesunder Mensch wird diese Möglichkeiten unterschiedlich nutzen, mal so und mal anders.

Was heisst das konkret?
Integration ist ein Prozess des Aufeinanderzugehens, der am besten da funktioniert, wo man auch wieder zu sich selbst zurückgehen kann.

Wie schätzen Sie es ein, sollten noch mehr Berührungspunkte zwischen den Kulturen geschaffen werden?
Entscheidend sind doch die Begegnungen zwischen Menschen. Ein Mensch, der nicht bereit ist, sich in der Steinenvorstadt auf eine Begegnung mit Fremden einzulassen, wird auch nicht zu einer Begegnungsstätte hingehen. Und die, welche hingehen, werden auch am Claraplatz nicht intolerant sein.
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