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 Regierungsrat Ralph Lewin, WSD-Direktor Basel-Stadt
Angst ist eine Triebfeder der Intoleranz
Wie schätzen Sie als Regierungsrat die Toleranz der Basler gegenüber anderen
Kulturen ein?
Ich ziehe es im Grunde vor, nicht von Kulturen, sondern von Menschen zu sprechen. Basel
ist seit Jahrtausenden ein Ort, der von Verkehr und Handel lebt. Ein solcher Ort kann ohne
Toleranz gar nicht existieren. Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund haben unsere
Stadt immer stark mitgeprägt. Ich glaube, dass das heute nicht anders ist.
Was kann die Regierung, der Regierungsrat tun, um die Toleranz zu fördern?
Toleranz ist eine menschliche Eigenschaft, die primär das Ergebnis der
Persönlichkeitsbildung ist. Sie wird ermöglicht und geformt in der Erziehung,
über Erfahrungen und Begegnungen. Leider lässt sie sich aber nicht verordnen.
Die Regierung kann deshalb nur dazu beitragen, dass ein städtisches Klima entsteht,
welches offen ist für Begegnungen und positive Erfahrungen. Und sie kann
Einrichtungen schaffen oder fördern, welche - wie beispielsweise die Schule oder
Sprachkurse - die grundlegenden Möglichkeiten der Kommunikation
vermitteln. Aber die staatlichen Schulen sollten in der Lage sein,
ergänzend zur familiären Erziehung allen Kindern das Wissen und die
Selbstsicherheit zu vermitteln, welche sie für das Leben in der Gesellschaft
befähigen.
Wie sehen Sie die Integration, man hört immer wieder, dass gewisse Kulturen
völlig losgelöst von der Stadt bestehen, müssen diese integriert werden?
Die Integration eines Menschen in seine Umwelt besteht unter anderem darin, dass er die
Wahlmöglichkeit hat, sich zu sich selber, zu seiner Familie oder seinen engsten
Freunden zurückzuziehen oder aber hinauszugehen und Neuem und Fremdem zu begegnen.
Und ein gesunder Mensch wird diese Möglichkeiten unterschiedlich nutzen, mal so und
mal anders.
Was heisst das konkret?
Integration ist ein Prozess des Aufeinanderzugehens, der am besten da funktioniert, wo man
auch wieder zu sich selbst zurückgehen kann.
Wie schätzen Sie es ein, sollten noch mehr Berührungspunkte zwischen den
Kulturen geschaffen werden?
Entscheidend sind doch die Begegnungen zwischen Menschen. Ein Mensch, der nicht bereit
ist, sich in der Steinenvorstadt auf eine Begegnung mit Fremden einzulassen, wird auch
nicht zu einer Begegnungsstätte hingehen. Und die, welche hingehen, werden auch am
Claraplatz nicht intolerant sein.
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